23. Neue Sexuelle Narrative mit Nadin Schley
Shownotes
In dieser Folge
Warum wir neue sexuelle Narrative brauchen
Perfume Garden: Print als „geschützter Raum“ für weibliche Sexualität
Warum Nadine sich vom Erotisieren hin zu Aufklärung bewegt hat
Male Gaze: Wie der männliche Blick Bilder prägt – und wie wir ihn internalisieren
Warum weibliche Sexualität so oft nicht über Penetration definiert werden kann
Überraschung: Warum Perfume Garden anfangs zu 83% von Männern gelesen wurde
Sprache als Verantwortung: Was passiert, wenn Medien alte Narrative weitertragen
Spontane vs. responsive Lust – und warum das nichts mit „weniger Lust“ zu tun hat
Warum „5 Tipps zum Orgasmus“ oft eher Druck macht als Freiheit
Nadines Familiengeschichte: Lust, Frauenrunden, Widersprüchlichkeit – und transgenerationale Prägung
Schreibworkshops & „Lustsprache“: Wie Schreiben hilft, Wünsche und Grenzen zu finden
Warum Nadine sagt: Oft ist nicht Unlust das Problem – sondern Sprachlosigkeit
Erwähnt Perfume Garden (Magazin) Hey Yoli (Audio-/Meditationsplattform) Femtasy
Lustwandel Abonnier den Podcast, teil die Folge oder schreib uns auf Instagram (@lustwandel.eu Mehr Infos: lustwandel.eu
Transkript anzeigen
00:00:00: Hey, wir sind Pia und Maren, Sexualberaterin um Psychologin.
00:00:03: Und du hörst Lustwandel!
00:00:05: Ein Podcast über weibliche Sexualität jenseits von Scham, Schmerz und Schweigen.
00:00:17: Heute haben wir Nadine vom Magazin Perfume Garden bei uns zu Gast.
00:00:22: Ich freue mich sehr, dass du da bist.
00:00:25: Wir haben ... Siehst du, fällt mir jetzt gerade ein.
00:00:27: Im letzten Magazin haben wir auch einen Beitrag bei euch verfasst.
00:00:32: und ja ich freue mich total dass du heute da bist und wir miteinander sprechen.
00:00:37: Hallo Nadine!
00:00:38: Hallo Ich freu mich hier zu sein.
00:00:40: vielen Dank für die Einladung.
00:00:41: Ja sehr gerne So.
00:00:44: ich würde sagen Wir starten gleich und steigen gleich.
00:00:47: eine in.
00:00:47: die erste Frage Warum braucht es neue sexuelle Narrative?
00:00:54: Ja, weil wir die Alten einfach überschreiben müssen.
00:00:56: Die sind ausgedehnt nach so langer Zeit.
00:01:05: Sexuelle Narrative Damit sind im Grunde Geschichten gemeint, die eine Kultur darüber erzählen wie Sexualität angeblich funktioniert.
00:01:14: zum Beispiel sex beginnt mit Vorspiel endet mit Penetration und Ziel ist der Orgasmus.
00:01:21: oder Männer wollen immer Sex und Frauen sind eher zurückhaltend.
00:01:25: Diese Geschichten hören wir in Film, in Magazinen, in Pornos und Aufklärung.
00:01:29: Und irgendwann wirken sie wie Wahrheiten!
00:01:32: Dabei sind Sie eigentlich nur kulturelle Drehbücher – und diese Drehbucher verändern sich gerade.
00:01:38: Zumindest hoffen wir das und versuchen dazu beizutragen, genau wie Nadine Schley.
00:01:44: Neue sexuelle Narrative bedeutet eben auch Sicht nochmal komplett neu mit dem Thema Sexualität und Lust auseinanderzusetzen und das Magazin in Printform hat sich ja zum Auftrag gemacht, vordergründlich über Weibche-Sexualität zu sprechen.
00:02:05: Und auf diesem Weg in den letzten sechs Jahren sind uns sehr viele alte sexuelle Narrative über dem Weg gelaufen und die gehen wir nach und nach an!
00:02:17: Wenn das so einfach wäre, ne?
00:02:21: Genau.
00:02:22: Also ja die thematisieren wir auf jeden Fall nicht unbedingt weil ich finde man muss nicht so unbedingt in das alte zurückgehen sondern man kann einfach versuchen Themen anders zu setzen oder Themen anders schreiben und dazu dient er dann letztendlich auch Sprache.
00:02:38: Ja da habe ich gleich zwei Fragen.
00:02:41: Einmal gibt es Narrativ die euch immer wieder oder besonders häufig begegnen Und wie schreibt ihr die um, ohne das dann direkt zu thematisieren?
00:02:54: Auf jeden Fall setzen wir Grenzen.
00:02:57: Vielleicht erzähle ich mal ganz kurz davon was uns damals begegnet ist als wir angefangen haben, zwanzig-zwanzig kurz vor Corona.
00:03:05: Also die Konzeptionszeit des Magazins ging so über ein Jahr Was eigentlich oder normalerweise schneller geht.
00:03:12: aber Das Thema weibliche Sexualität war nicht besetzt, beziehungsweise man hat viel gesprochen über Sexualität und Lust auch über Frauen.
00:03:23: Aber ich finde dass das irgendwie immer ein weiterschreiben alter Narrative war.
00:03:29: Das hat sich zum Beispiel dadurch gezeigt, dass ich in Vorbereitung auf das Magazin viele Expertinnen gefragt habe was weibliche Sexualität ist Und es gab keine Antwort.
00:03:45: Und ich glaube auch, sagen zu können, dass es heute noch keine Antwort gibt.
00:03:49: Denn wir befinden uns auf einem Weg.
00:03:52: Was ich aber ... ja?
00:03:54: Nee, ich wollte fragen die Expertinnen, die du gefragt hast waren auch ExpertInnen im Bereich weibliche Sexualität
00:04:00: oder Sexualität.
00:04:02: Ganz genau.
00:04:02: Genau was mir damals aufgefallen ist Wir haben angefangen zu einer Zeit wo diese Sex-Toy-Tech Firmen total explodiert sind, also Amiruli war irgendwie kurz davor zu verkaufen.
00:04:17: Und mir ist aufgefallen dass die Sex Toys eigentlich immer alte Narrative fortgeschrieben haben schon alleine aufgrund des Aussehens nämlich penisförmig und ich habe bis jetzt oder bis heute begriffen das weibliche Sexualität eigentlich sehr wenig mit Penetration zu tun hat.
00:04:38: Also war das für mich erst mal so ein Feld der Irrungen und der Wirrungen, weil es gab ja nur diese Themen.
00:04:46: Und wie schreibt man jetzt über Sexualität wenn man sich auch noch auf die Fahne geschrieben hat?
00:04:53: Wie machen jetzt Print nur für das Thema Frau?
00:04:57: Das war ein bisschen größer wahnsinnig.
00:04:59: Dazu kam dass es gar keine Bildmaterialien gab.
00:05:02: also Alle Bilder, die wir hätten nutzen können aus öffentlichen Datenbanken haben alte Narrative fortgeschrieben.
00:05:09: Also die Frau liegt regelnd auf einem Fell wurde quasi objektifiziert und das wollten wir ja nicht wiedergeben.
00:05:18: Und da gab es die ersten Herausforderungen für uns.
00:05:23: Jetzt hast du aber noch gefragt wie wir sie umschreiben diese Narrativen?
00:05:26: Genau!
00:05:28: Ich kann sagen wie wir das in der ersten Ausgabe gelöst haben versucht haben, in zukünftigen Ausgaben zu lösen gerade im Bezug auf das Bildmaterial.
00:05:38: Wir haben angefangen sehr viel zu illustrieren.
00:05:42: Man muss dazu wissen dass Perfume Garden kein sexualisiertes Magazin ist.
00:05:47: also wir wollen nicht unbedingt erotisieren weder für Frauen noch für Mann sondern wir wollen einen Raum schaffen wo sich Frauen mit ihrer Lust verbinden können durchs Lesen durch darüber reden durch Bildsprache.
00:06:03: Und für die erste Ausgabe hatten wir tatsächlich auch Gott sei Dank eine Fotografin, die Lene Wichmann aus der Schweiz.
00:06:09: Die hat Paare im Entschlafzimmer begleitet.
00:06:14: Also Lena war quasi dabei als Paare Sex-Hatten und dadurch hatten wir sehr viel Bildmaterial.
00:06:21: Das passiert aber sehr selten.
00:06:23: also es fehlt halt total an Bilder die Weiblich Sexualität zeigen.
00:06:30: Ich würde sagen nicht nur Bilder, die weibliche Sexualität zeigen.
00:06:32: Also das ist ja mittlerweile schon einiges gibt in dem Bereich.
00:06:37: ich muss jetzt vor allem an auditive Sachen denken wie zum Beispiel Femme zu sie oder ich weiß jetzt nicht da müsste ich nochmal nachgucken wie das heißt.
00:06:48: aber ich bin auch letztens über eine Website gestolpert die auch Paare beim Sex begleiten, aber dass man sich das auditiv anhören kann und das auch speziell für Frauen im weiblichen Erotiksektor verortet ist.
00:07:04: Genau also, dass es mittlerweile ja schon einige Sachen dazu gibt, aber natürlich noch lange nicht genug.
00:07:11: Und ich finde es auch so spannend was du sagst mit dieser männlichen ... Linse, also so male-gaysmäßig auf die Dinge schauen.
00:07:20: Weil mir das auch immer wieder auffällt und mir das bei mir teilweise immer wieder auffällt.
00:07:26: Und ich da ganz achtsam sein muss wie ich Sexualität betrachte dass sich nicht in diesen Male Gays verfalle.
00:07:39: Der Begriff Male Gaze kommt aus der feministischen Filmtheorie.
00:07:43: Er beschreibt, dass viele Bilder von Frauen durch eine männliche Perspektive entstehen.
00:07:47: Das bedeutet, Frauenkörper werden so dargestellt wie sie für Männer attraktiv oder aufregend wirken sollen.
00:07:54: Das Problem ist – wenn diese Perspektiven überall auftaucht in Film-, Werbung-, Pornos- und Magazinen – lernen wir irgendwann unsere eigenen Körper auch mit diesem Blick zu betrachten!
00:08:05: Also nicht mehr «wie fühlt sich mein Körper an?» sondern «wie sieht mein Körper aus, wenn jemand ihn anschaut».
00:08:14: Wie geht es dir dabei?
00:08:17: Ich würde ganz gerne mal vorher einsteigen, weil du hast über Paarsexualität gesprochen.
00:08:21: Das ist nämlich auch etwas was ich ganz gern nochmal klarstellen möchte.
00:08:26: Weibche Sexualität und auch männliche Sexualität ja wir müssen ja auch nicht immer dagegen halten dürfen.
00:08:32: ja beide existieren und ich glaube das Magazin möchte gerne sagen dass man kein Gegenüber braucht Also für das Thema Sexualität und Lust, sondern dass es erst einmal etwas ist was in sich entstehen darf.
00:08:47: Deswegen ist Paarsexualität also was du gerade beschrieben hast bei Fantasy oder diesen anderen Audio weiß ja leider nicht mehr, weil es würde mich schon interessieren.
00:08:58: Ja,
00:08:58: das wäre super!
00:09:00: Darum geht es uns gar nicht.
00:09:01: Ich glaube, man muss bei sich erst mal anfangen und es geht gar nicht vordergründig um das Thema Masturbation was ja irgendwie immer sofort gesetzt wird wenn man sagt dass das Vibe-Sexualität eigenständig sein kann.
00:09:15: Es geht darum, sich erstmal wieder mit sich selbst zu verbinden Und da gibt's eine tolle Plattform Hey Jolie!
00:09:22: Weil die haben Audiumaterial wie du wirklich auch so in die Meditation kommst und dich wieder mit deinem Körper verbinden kannst.
00:09:30: Dort fängt Sexualität eigentlich an.
00:09:32: Wie heißen die?
00:09:34: Hey, Julie!
00:09:35: Die sind auch übrigens im neuen Magazin – ganz kurzer Ausschnitt unter den Quickies.
00:09:40: Ach so, okay, die kenne ich gar nicht.
00:09:43: Musst jetzt aber gerade daran denken... Es ist ja auch unser Thema transgenerationales Erbe, transgenerationale Last weiblicher Sexualität und ... sich mit sich selber zu verbinden und zu gucken, wo stehe ich gerade?
00:09:58: Mit meiner Sexualität.
00:09:59: Was ist vielleicht auch gar nicht meins?
00:10:01: Was ... was will ich haben?
00:10:05: Was will ich übernehmen?
00:10:06: Was soll ich weitergeben oder loslassen?
00:10:09: Und dass das natürlich ein ganz bewusster Prozess ist...
00:10:13: Ist der bewusst ja?
00:10:15: Ich finde den extrem unbewusst!
00:10:17: Genau also er is total unbewust.
00:10:19: aber es ist ein ganz bewusster Prozess.
00:10:21: wenn man jetzt sagt ist das, was gar nicht mir gehört.
00:10:26: Und das möchte ich loslassen oder auch das möchte ganz bewusst weitergeben zum Beispiel an nächste Generationen.
00:10:33: und da fängt dieser bewusste Prozess an sich das quasi bewusst zu machen
00:10:37: ja
00:10:39: und überhaupt auch zu schauen Was ist denn überhaupt mein Erbe weiblicher Sexualität?
00:10:44: Es ist ja eine Frage darüber denken, total viele gar nicht nach.
00:10:47: Dass wir Sachen von Generationen mit uns tragen und da ist dann nämlich dieses Unbewusst.
00:10:53: und ich glaube sobald sich das ins Bewusstsein gerufen wird und angefangen wird daran zu arbeiten dass ganz, ganz viel mit einem Macht auf allen möglichen Ebenen.
00:11:02: Auf
00:11:02: einer sexuellen
00:11:03: Ebene aber auch auf ganz vielen anderen Ebenern.
00:11:06: Genau das meine ich damit.
00:11:07: Deswegen ist es erst einmal für uns immer etwas Eigenständiges bevor ich dann quasi gucke wie ich meine Sexualität ausleben kann und da fällt mir nicht unbedingt immer sofort die Paar-Sexualität ein.
00:11:19: Ja ja total!
00:11:21: Das finde ich schön.
00:11:22: und war das von Anfang an so?
00:11:27: mit diesem Auftrag, sag ich mal das Magazin gestartet habt.
00:11:31: oder hat sich das im Laufe der Zeit entwickelt?
00:11:33: Genau.
00:11:33: Das hat sich im Lauf der Zeit entwickelt weil es ist natürlich ein Weg, eine Reise.
00:11:37: Sich mit dem Thema Sexualität zu beschäftigen... Ich sage ja auch immer, dass ist Persönlichkeitsentwicklung.
00:11:43: vor sechs Jahren hatte ich die Idee zum Magazin und ich wollte glaube ich auch eher erotisieren.
00:11:49: also ich habe jetzt nicht den Anspruch etwas in der Gesellschaft zu bewegen wie ich ihn jetzt habe.
00:11:56: Aber ich hab erst einmal verstanden, durch meine persönliche Reise aber auch durch die Reise in der Recherche das Sexualität ein Entwicklungsprozess ist und er ist nicht ohne.
00:12:08: also da kann alles auf den Kopf gestellt werden von heute auf morgen.
00:12:11: es ist unfassbar Und ich weiß noch wie mein Partner.
00:12:16: Natürlich habe ich ihm erzählt, dass ich jetzt ein Magazin über Weibchen Lust mache.
00:12:20: Und ich weiß noch wie er vor mich stand und gesagt hat Ich hoffe das Magazin bringt uns nicht auseinander.
00:12:25: Also er hat eigentlich schon andere Dinge gesehen als ich.
00:12:28: Ich meine ich bin Blattmacherin, ich bin Journalistin.
00:12:30: Ich hatte irgendwie ein interessantes Thema Und mit dem wollte ich jetzt rausgehen und erst heute verstehe ich was er gemeint hat denn Ja diese Zeit ging nicht spurlos an uns vorbei sozusagen.
00:12:48: Überhaupt das Thema weibliche Sexualität, dass du darüber hast.
00:12:51: Und wenn du auch sagst, dass zuerst mal mit dem Gedanken des Erotisierens gestartet bist und jetzt bist du da rausgekommen wo du gerade stehst... Also es ist ja schon ein weiter Weg oder ein spannender Weg.
00:13:03: Erzähl mir gerne mehr darüber!
00:13:05: Ja ich kam auf die Idee.
00:13:08: Ich habe drei Jahre in Indien gelebt und kam zurück.
00:13:11: Mein Sohn wurde geboren auf dem Bett und hat mir eine Reportage auf CNN angeguckt, viel mehr Pläscher.
00:13:18: Oh ja!
00:13:19: Genau es ging darum wie Frauen weltweit Sexualität leben Und ich fand das krass was Frauen erzählt haben und dachte mir so dass müsste es eigentlich in Printform geben.
00:13:30: Printform deswegen also.
00:13:32: zum einen Ich bin ja Blattmacherin Also ich beschäftige mich nur mit Print.
00:13:35: Auf der anderen Seite ist Print für mich immer noch ein sehr geschützter Raum und ich finde das Thema Sexualität vor allen Dingen weibliche Sexualität gehört in so einem Bereich, damit wir uns ganz in einer Art Me Time auf dem Sofa sitzen können und uns dafür Zeit nehmen können.
00:13:55: Und nicht dieses ewige Strollen.
00:13:57: Das war meine Vision!
00:14:00: Ich habe angefangen recht grün hinter den Ohren – ich wusste natürlich wie alles technisch umzusetzen geht, wie man einen Blatt macht oder hatte aber eine total provozierende Sprache Und habe aber schon gemerkt, dass das nicht so ganz im Einklang ist mit dem was ich mir eigentlich vorgestellt habe an einem gewissen Bauchgefühl.
00:14:20: Dazu kamen, dass die Fotos wirklich alle recht schlimm waren.
00:14:23: also genau da gab es schon so die ersten Ideen vielleicht doch nochmal um zu switchen und ich hatte ja auch gerade von der Fotografin erzählt Aber Es ist noch nicht so richtig angekommen.
00:14:34: und im Lauch für der Zeit und wenn man immer mehr liest empfindet man eine ganz große Ungerechtigkeit, wenn es um das Thema Weibichestextualität geht.
00:14:44: Und es wurde für mich irgendwie politisch und politisch ist nicht erotisieren, sondern es ist in erster Linie aufklarerisch.
00:14:51: Ich dachte mir, wenn ich jetzt hier die Möglichkeit habe, zwanzigtausend Leser zu erreichen, dann möchte auch die richtigen Inhalte setzen.
00:15:00: Also wir haben uns von diesem Erotisierenden distanziert wobei das auch nicht auszuschließen ist.
00:15:11: Wir wollen ja jetzt auch nicht so die Grenze ziehen, aber in erster Linie möchte ich gerne einen Weg ebnen wie sich Menschen mit ihrer Lust verbinden können und das muss nicht unbedingt durch Provokation sein.
00:15:26: Ja ... Und Merks?
00:15:30: Also wir sind ... Ich sag mal, wie ist das Feedback der Leser-Innen?
00:15:35: Oder was für Menschen fühlen Sie sich davon angesprochen?
00:15:38: und da gab es ja bestimmt in den letzten Jahren auch ganz viel Bewegung.
00:15:43: Genau also als wir das Magazin rausgebracht haben die erste Ausgabe erschien im Februar zwanzigzwanzig, also kurz vor Corona.
00:15:51: Wir mussten dann auch nochmal komplett zurückfahren weil dann klar war dass das Magazinen nicht an Kiosken am Bahnhof oder Flughäfen ausliegt war ja alles gesperrt und niemand hatte Zugang zum Magazin.
00:16:04: Also mussten wir auch teilweise digital umswitschen, also wir hatten dann Kooperation mit Wheatly oder mit Chair Magazine.
00:16:11: Und das Gute ist dass wir da die totale Einsicht haben, also wie können genau sehen wer was liest?
00:16:17: Ich war total geschockt!
00:16:19: Die Zahl war hoch, ich wollte eigentlich nur eine Ausgabe machen, dass daraus jetzt zu viel geworden sind... Das war nicht geplant so.
00:16:28: Ich war total geschockt, wie viele das Magazin lesen.
00:16:30: Es waren glaube ich die erste Ausgabe so um die ich... ...fünfundzwanzig dreißigtausend?
00:16:35: Aber... ...dreiundachtzig Prozent Männer!
00:16:38: Ah wow okay ah damit habe ich euch nicht gerechnet.
00:16:41: Ja mich auch nicht und ich bin eine Frau und ich wollte ein Magazin für Frauen machen.
00:16:45: Vielleicht war das auch einer der Gründe weswegen ich mich nochmal in Sprache also Textsprach- und Bildsprache Weswegen ich noch mal anders angefangen habe zu arbeiten denn es ist mir ein großes Anliegen Frauen zu erreichen.
00:17:01: Und genau, ich habe dann gesehen dass es Männer sind die erst mal ziehen lesen und hab denen erstmal ganz viel Böses unterstellt.
00:17:08: Also natürlich allem voran Voyeurismus.
00:17:12: Nach und nach kam aber Leserbriefe rein von den Männern also nicht von allen Aber es kam wirklich viele Briefe und die Männer waren sehr dankbar das es so ein Magazin gibt Denn die Frauen zu Hause reden nicht über ihre Sexualität und die Männer tappen im Dunkeln.
00:17:29: Die Männer wissen nicht, wie Frauen berührt werden wollen und Frauen können sich nicht ausdrücken.
00:17:34: Und dieses Mal ziehen diente letztendlich auch dazu dass Männer Pustits reingeklebt haben.
00:17:40: könnte dir das gefallen?
00:17:42: Früchtigstisch wurde das Magazin rübergeschoben zu Frau.
00:17:45: Sie konnte sich das durchlesen, sie konnte sich äußern vielleicht auch ja nein ankreuzen keine Ahnung aber ich habe ganz viele Fotos bekommen wo Männer Stellen im Heft markiert haben die die Frauen dann gelesen haben und dadurch kam so ein bisschen die Wände weil ihnen auch angefangen haben um die frauen mir zu schreiben.
00:18:03: jetzt bestellen Paare für ihre Sexualität das magazine und freuen sich dass es etwas gibt.
00:18:09: also dieses feedback bekomme ich auch ganz oft.
00:18:14: Ach, ich überleg grad wo ich weiter machen soll.
00:18:16: Okay... Ich finde das ist wirklich ein super spannendes Phänomenes weil wir es auch erlebt haben in unseren Anfängen dass wir Frauen überhaupt nicht angesprochen haben.
00:18:32: und wenn haben wir Männer angesprochen.
00:18:35: aber genauso wie du es jetzt erzählt hast, dass Männer gesagt haben oh wie toll!
00:18:42: Kann ich das kaufen?
00:18:43: Kann ich irgendwas kaufen für meine
00:18:46: Partnerin?".
00:18:48: Genau.
00:18:50: Dass ich dann da so ein bisschen mit mir am Kämpfen war, weil es einerseits natürlich total toll fand ... dass die Männer sich so viele Gedanken machen.
00:19:00: Es tat mir gleichzeitig auch leid, weil jetzt halt auch einige waren, die auf uns zugekommen sind und ich mir dachte, ah okay, da ist schon irgendwie auch Leidensdruck wahrscheinlich auf beiden Seiten Und ich gleichzeitig aber trotzdem die Frauen gerne erreichen wollte.
00:19:15: Genau,
00:19:16: genau.
00:19:17: und deswegen jetzt meine Frage wie hast du dann einfach habt ihr denn einfach weiter gemacht?
00:19:25: Wie ihr es getan habt oder habt ihr dann nochmal umgeswitched um ganz explizit Frauen zu erreichen?
00:19:35: Ganz explizIT also unser Zielgruppe sind Frauen oder unsere Wunsch-Zielgruppe sind Frauen, Männer lesen mit.
00:19:42: Ist okay!
00:19:43: Ja es passt für mich.
00:19:46: Was wir aber gemacht haben... Wir haben uns schon... Oder ich habe mich schon mit einer Expertin zusammengesetzt die das Magazin mal analysiert hat und sie hat gesagt, die Sprache ist zu hart.
00:19:57: Und das war für mich auch so ein Gamechanger und ich hab ganz wieder dazugelernt was ihr damit meint.
00:20:02: Ich hab erst da verstanden dass man ganz toll aufpassen muss öffentliches Magazin oder auch in anderen Medien, dass man eine ganz hohe Verantwortung hat in der Gesellschaft.
00:20:15: Wenn man sagt, man macht etwas für Frauen und aber trotzdem alte Narrative weiterschreibt.
00:20:22: Das musste bei mir ankommen, dass wir das verändern müssen.
00:20:26: Und dadurch was sie gesagt hat wie schreiben viel zu hart habe ich verstanden, was sie meint?
00:20:35: Sie meinte schon damit wirklich die Sprache des Patriarchats verwenden, um weibliche Sexualität zu beschreiben.
00:20:44: Zu definieren.
00:20:45: Also wir haben sehr viel nach dem Muster gearbeitet.
00:20:49: Wir zeigen dir mal wie Vorspiel geht.
00:20:51: also das Wort Vorspiel hatten wir damals noch im Heft liebe gar nicht mehr.
00:20:58: Sexuellen Mustern, Skripten erzählt.
00:21:00: Vorspiel, Penetration, Nachspiel... Wir hatten zum Beispiel mal eine Ausgabe und da haben wir erzählt wie wichtig das ist, dass man danach miteinander spricht.
00:21:08: Also ne?
00:21:09: Wir haben das irgendwie alles weiter... also das was schon da war diese Alternative sage ich jetzt mal die haben wir weitererzählt.
00:21:16: Wir haben mich darauf geachtet, dass es da eigentlich ein Buch hätte geben müssen Und der kam erst mit Ausgaben eigentlich sogar recht späte muss ich gestehen.
00:21:24: Mit Ausgabem elf würde ich sagen Zehn Elf.
00:21:28: so kam wirklich der absolute Bruch, dass ich mir jetzt meiner Gewaar bin und auch sicher bin wie ich erzählen möchte.
00:21:36: Und dazu gehört eben auch einer normalisierende Sprache, ne?
00:21:40: Dazu gehört die Sprache das man Körperteile nicht nur benennt sondern sie auch anatomisch greckben nennt.
00:21:47: Dazu gehört, dass wir Sexualität nicht an Penetration festmachen.
00:21:54: Dazu gehört, dass Wir Bildsprache überprüfen.
00:21:58: Muss man jetzt das Thema Sexualität am nackten Frauenkörper festmachen?
00:22:04: Ich denke nicht.
00:22:05: Also reichen Texturen, da reichen Schatten... Das geht auch über Illustrationen.
00:22:11: Das sind die Dinge, die wir jetzt alle versuchen zu verändern und ich glaube dieser Preis meint das jetzt auch gesehen zu haben.
00:22:18: also jetzt wird klar okay die verwenden jetzt eine Sprache, die er empowert Jetzt ja, zerstört das Neue sozusagen.
00:22:32: Und ich weiß gar nicht so genau wie ich das fragen soll.
00:22:36: aber also weil es super spannend finde was Sprache macht und wie Sprache nutzbar ist und wie Machtvollsprache auch einfach ist.
00:22:49: Ja.
00:22:49: Ich find gleichzeitig dass es ein ganz sensibler Prozess ist da drauf zu achten dass es auch anstrengend sein kann, das auf dem Schirm zu haben die ganze Zeit.
00:23:05: und ich frage mich einfach wie macht ihr das?
00:23:11: Also wir kommen zweimal im Jahr raus.
00:23:14: Wir haben genug Zeit und es ist ja bei uns so, dass Expertinnen schreiben aber wir haben eben auch die Testimonials oder den Auftrag gegebenen Beiträge Und die Testimonials, das sind Frauen, die nach wie vor unter einem Zylonym schreiben wollen.
00:23:29: Die über ihre Sexualität sprechen und da gibt es Beiträge... ...die passen ins Magazin und es gibt Beiträge, die passen nicht ins Magazinen.
00:23:38: Und dann müssen wir auch eine Rückmehl schreiben.
00:23:40: Das heißt, wir müssen uns auf jeden Fall mit den Texten auseinandersetzen.
00:23:44: Nicht wenige schicken wir zurück weil alte Narrative weiter erzählt werden in diesen Texten.
00:23:53: Aha, okay.
00:23:54: Und wie ist dann bei dir dieser ... ich sag mal ... Bruch oder dieses Umdenken zustande gekommen?
00:24:03: Also das ist ja so ein ... würde ich sagen auch sehr schwieriger Prozess da draufzukommen und also... Ich find es so faszinierend, dass ihr's schafft, da so achtsam zu sein und nicht zu reproduzieren in so einem großen Magazin!
00:24:24: Ich weiß nicht, verstehst du was ich sagen
00:24:25: will?
00:24:27: Ich weiß auch nicht ob uns das immer gelingt.
00:24:33: In jeder Entwicklung gehst du einen Schritt vor und manchmal auch zwei zurück.
00:24:38: Und ich finde es darf sein.
00:24:39: aber in erster Linie und es hört sich vielleicht ein bisschen komisch an, aber uns trägt schon ein gewisses Bauchgefühl weil es für so viele Dinge noch keiner Richtung gibt.
00:24:51: Weil oftmals auch das Licht am Ende des Tunnels fehlt.
00:24:55: Und wie du schon gesagt hast, das sind Prozesse.
00:24:57: Dieses Magazin wächst mit unserem Bewusstwerden und unserer Bewusstheit.
00:25:04: Je bewusster wir werden, je intensiver wir uns mit Sprache oder mit dem was wir da eigentlich machen auseinandersetzen, umso mehr hat das Magazin davon!
00:25:14: Aber das ist ein Prozess und der ist auch noch lange nicht beendet.
00:25:18: Also es gibt keine ... Kannst Du Weibchen Sexualität definieren?
00:25:24: Also aus dem Stegreifen nicht?
00:25:26: Genau.
00:25:28: Und ich weiß noch, als ich damals angefangen habe war ich eingeladen beim Deutschlandfunk und die Journalistin hat mich gefragt, trägt das überhaupt ein Printmagazin zum Thema Weibchen.
00:25:42: Lust ist doch schnell außerzelt.
00:25:45: was sie damit meinte?
00:25:46: es dass Thema Sexualität also so wie wir es kannten bis dahin ist schnell außer zählt.
00:25:51: Aber Weibche-Sexualität, das ist etwas, was sich erst entwickeln muss.
00:25:55: Und je freier wir werden, je mehr wie uns auch befreien aus diesem ganzen Patriarchat ... Umso mehr kommen wir bei uns an und wir würden doch mal ganz anders ... Weibchensexualität definieren.
00:26:07: Also heute und in zehn Jahren.
00:26:09: Das ist mit Sicherheit ein Riesenunterschied.
00:26:10: Das sehe ich ja an den Ausgaben.
00:26:12: Ja, das glaube ich auch.
00:26:15: Auf diesen Weg.
00:26:17: Ja.
00:26:17: Und euch bestimmt auch ganz viele ... alte Muster begegnet.
00:26:22: Das Thema, was wir machen transgenerational ist eher beweiblicher Sexualität.
00:26:28: und wenn du mit dieser Linse da drauf schaust ... Was sind da so Muster die euch begegnete oder vielleicht auch erst bewusst geworden sind?
00:26:39: Es sind so Sätze, ne?
00:26:41: Die so weitergeschrieben werden von Frau zu Frau.
00:26:44: Es ist halt normal, wenn Frauen Unlust empfinden.
00:26:48: Ich finde... oder ich habe für mich herausgefunden, wenn Sprache fehlt kommt es oft zu ohne Lust.
00:26:59: Oder setze wie... Ich kann nicht kommen.
00:27:05: also der vaginale Orgasmus, ne?
00:27:09: Ich kann dich kommen, wenn er in mir ist.
00:27:13: Das musst du ja auch nicht!
00:27:15: Das sollst du hier auch nicht.
00:27:20: Genau, aber das sind so die alten Schablonen sag ich jetzt mal.
00:27:25: Die von ganz vielen Frauen Zeitschriften aufgegriffen worden sind und auch immer noch weiter erzählt werden.
00:27:31: also wir arbeiten zum Beispiel nicht so dass wir sagen fünf Tipps wie du zum Orgasmus kommst weil ja weil diese... Das ist so individuell!
00:27:41: Und was bedeutet schon Orgasmos?
00:27:43: Also selbst da überlegen ja Frauen war das jetzt einer oder war das keiner?
00:27:47: Das ist ja irgendwie, jede Reise ist ja anders.
00:27:51: Ich glaube die Fatz war das, sie hat mal getitelt es kann nicht genug Markelein einer Frau geben weil jede Frauen Zeitschrift eigentlich Frauen versucht hat einzureden Sie sind kaputt und da gibt's halt bei uns keine Tipps.
00:28:07: klar wir haben unsere Quickies Wir haben unsere Buchrezentionen aber wir sagen Nicht so geht´s.
00:28:19: Wir gestalten den Raum, viele Stimmen, Schreiben sprechen zu lassen.
00:28:26: Die zeigen wie divers Sexualität ist.
00:28:33: Ich finde das so richtig und wichtig und gleichzeitig super schwierig, weil das auch unser Anliegen ist...
00:28:40: Was findest du daran schwierig?
00:28:42: Weg!
00:28:43: von dieser Orgasmus-Fixierung, sag ich mal.
00:28:47: Weil ich finde ... Also auch in vielen queer feministischen Kontexten das immer noch reproduziert wird oder wenn es irgendwelche Erotik-Sachen sind speziell für Frauen.
00:29:01: Das find ich ein sehr großes Thema ist, dass Sex wie auch immer zum Orgasmos aber hinausläuft und da einen anderen Zugang zuzufinden, finde ich total schwierig das rüberzubringen.
00:29:20: Gar nicht?
00:29:21: Gar nicht!
00:29:25: Das ist der Grund, warum ich immer noch weitergehe in diesem Thema.
00:29:30: Zum Einen ist für mich Sexualität nicht Penetration und Sexualität hat für mich kein Ziel.
00:29:37: Also ich durfte zum Beispiel auch erfahren, dass Sexualität sobald sie etwas langsamer stattfindet andere Dinge eine viel wichtiger Rolle spielen als ein Ziel zu haben.
00:29:49: Ja also in der Sexualität geht es mir erst einmal nur darum mit jemanden den ich toll finde in Verbindung zu gehen und das kann ganz unterschiedlich aussehen.
00:30:00: da kann man einfach nur nebeneinander liegen uns sich streicheln Ewigkeiten.
00:30:04: Es kann extrem toll sein Und das ist für mich aber auch schon Sexualität.
00:30:10: Ich glaube, dass die Gesellschaft sowieso ein Problem damit hat wie sie Sexualität definiert und dazu kommt, dass Sexualität immer an einen Ziel geknüpft ist.
00:30:23: Und dieses Ziel ist dann auch gleichzeitig das Ende von dieser Begegnung in diesem Moment.
00:30:28: Das stimmt ja alles nicht!
00:30:31: Weil ich irgendwie so sehr dafür gehe und auch dafür stehe und es selbst zu lebe kriege ich schon Bauchschmerzen, wenn ich dann Beiträge bekomme wo es wirklich um dieses Muster geht.
00:30:41: Trotzdem ist es aber so dass wir auch diese Themen erzählen wollen aber eben nicht provozierend nicht aufladen sollen einer sehr sachlichen normalisierenden Sprache.
00:30:59: Aber Wörter wie Vorspiel oder sowas verwende ich gar nicht im Magazin
00:31:02: Wenn du sagst, dass du das auch nicht so lebst.
00:31:05: Das war ja wahrscheinlich auch nicht immer so.
00:31:09: Ist das dann Hand in Hand gegangen mit den Entwicklungen im Magazin?
00:31:13: Genau!
00:31:14: Also ich glaube man kann anhand des Magazins sehen wo ich sexuell stehe.
00:31:19: Wenn es eines Tages kein Magazin mehr gibt, kann es sein, dass ich keine Sexualität mehr lebe
00:31:24: Oder dass du so erleuchtet bist, das ist das nicht mehr braucht.
00:31:28: Ja oder das andere erzählen also diese Themen die gehen ja weiter.
00:31:31: Das ist ja genau dieses Transgenerationale mit uns, dass wir diese Geschichte nicht aufhören.
00:31:37: Die nach folgenden Generationen meinen Sohn ist zehn, die werden sich alle darüber Gedanken machen wie Sexualität auszusehen hat aber wie es aussehen kann.
00:31:47: Aber das ist eine Entwicklung.
00:31:49: ich glaube... Ich bin ein gutes Beispiel dafür, dass wenn man sich mit dem Thema Sexualität beschäftigt.
00:31:55: Und was bedeutet das denn schon?
00:31:56: Also ich lese halt sehr viele Bücher!
00:31:59: Ich höre Podcasts, ich höre auf eigene Stimmen... ...ich lese auch sehr viele alte Bücher muss ich gestehen.
00:32:05: Das ist so'n Entwicklungsprozess der in dir stattfindet und dadurch verändert sich auch das Magazin weil ich dann auch mehr bewusst werde uns sehen kann.
00:32:16: okay das ist jetzt hier nicht ganz korrekt.
00:32:17: es können wir hier so nicht abbilden oder Ich traue mich gerade schwer mit dem Bild, das würde ich gerne rauslassen.
00:32:23: Das ist ja schon viel gesetzter!
00:32:27: Und wenn du jetzt grade von der jüngeren Generation sprichst hast du da Zugang zu wie die über Sexualität sprechen?
00:32:40: Also ich denke auch wieder im transgenerationalen Kontext.
00:32:43: und welche Sprache die verwenden zum Beispiel... vergleich zu uns oder auch im Vergleich zum Magazin?
00:32:54: Kurz überlegen.
00:32:56: Was ich oft höre, ist dass sich jüngere Menschen also andere Generationen... Ich bin jetzt siebenundvierzig.
00:33:04: Ich würde sagen die Menschen in den Zwanzigern, die beschäftigen sich weniger mit Sexualität.
00:33:11: Ich glaube das es mehr, dass dort mehr tabuisiert wird.
00:33:16: Warum das so ist weiß ich nicht!
00:33:18: Ich finde diese Entwicklung aber sehr erstaunlich, muss ich gestehen.
00:33:22: Währenddessen Frauen in den Dreißigern sich dafür viel mehr öffnen und Frauen in dem Vierzigern, Fünftigern, Sechzigern sowieso.
00:33:33: Also die wollen natürlich jetzt auch diese Wellereiten, weil jetzt haben sie die Chance noch mal etwas in ihrem Leben, in ihrer Sexualität zu verändern?
00:33:41: Ja genau!
00:33:43: Das find' ich auch so schön wenn unser Podcast Feedback bekommt von, ja ich will jetzt gar nicht sagen älteren Frauen.
00:33:53: Aber Frauen die ältersen als wir?
00:33:56: Ja also wir sind Mitte dreißig und bei das nämlich gar nicht ursprünglich.
00:34:00: unser Ziel war diese Zielgruppe anzusprechen Und mich des total freut und auch wirklich berührt dass wir auch diese frauen tatsächlich erreichen und da Veränderungen hervorrufen.
00:34:13: Ich kann mir vorstellen dass es mit dem Magazin ganz ähnlich ist.
00:34:17: Genau
00:34:18: Was kriegst du da für Feedback?
00:34:20: Immer Gutes.
00:34:22: Also ich bekomme nie ein negatives Feedback, was mir natürlich total freut.
00:34:27: das ist ja auch... also es macht ja unsere Arbeit auch aus und darf nicht vergessen wir leben hier auch nur von den Abonnenten.
00:34:35: Ja!
00:34:36: Wir haben keine Werbung, wir haben keine Kooperation großartig, wir leben von den.
00:34:46: Und da hilft es auch mal Newsletter rauszuschicken und abzufragen, was dann eigentlich jetzt für Themen relevant sind.
00:34:52: Das ist eigentlich schon generationsübergreifend das Thema wie ich gewisse Themen oder wie ich Gewisse Sachen definiere.
00:35:03: Also was ist Lust?
00:35:04: Was ist Unlust?
00:35:07: Was is Sexualität eigentlich?
00:35:11: Wie spreche ich darüber genau?
00:35:14: Ich glaube, dass bleibt!
00:35:16: Und was hat dir geholfen in der Auseinandersetzung?
00:35:19: Ich musste jetzt nämlich gerade daran denken, was ist los und was ist unlos.
00:35:22: Die Fragen die du jetzt gerade gestellt hast das mir nämlich ganz viel geholpen hat mich auch ich sag mal wissenschaftlich damit auseinander zu setzen überhaupt zu verstehen.
00:35:33: hey weibliche Erregung baut sich anders auf als bei Männern.
00:35:37: also Jetzt ich rede im binären Geschlechtssystem und jetzt auch sehr schwarz-weißdenkend aber dass es Prozentual eher so ist, weibliche Erregung baut sich anders auf als bei Männern.
00:35:51: Wenn die Erregerung da ist das die Erregungskurve eine ganz andere ist oder dass wir auch Lust... Das weiblichen Lust häufig anders entsteht als beim Männern, dass unsere Lust eher responsiv ist und nicht spontan.
00:36:09: Dass wir erst mal irgendwelche Reize brauchen um dann zu antworten auch Ehe her, natürlich nicht bei allen.
00:36:17: Aber dass es eheher bei Frauen so ist und ich das total spannend fand ... überhaupt erst mal zu wissen, ah okay, es gibt da Unterschiede!
00:36:28: Es ist nicht einfach nur das was ich bisher kenne Und das hat mir ganz viel geholfen um dann zu gucken wie ist das denn bei mir?
00:36:41: In der Sexualforschung unterscheidet man häufig zwischen spontaner und responsiver Lust.
00:36:52: Spontane Lust bedeutet, dass sexuelle Verlang taucht plötzlich auf.
00:36:57: Responsive Lust funktioniert anders!
00:36:59: Hier entsteht Lust erst wenn ein Kontext da ist – Nier-, Berührung-, Zeit- oder Sicherheit.
00:37:05: Viele Frauen erleben ihre Lust eher responsiv.
00:37:08: Daraus lässt sich überhaupt nicht Schluss.
00:37:10: folgern, dass Frauen im Allgemeinen weniger Lust haben was eines der alten Narrative ist die wir umschreiben dürfen.
00:37:16: Es bedeutet nur das Lust bei vielen Frauen oft erst im Erleben entsteht
00:37:22: Ist auch so, deswegen sagen wir ja auch Lust kommt nicht ohne Wissen.
00:37:26: Das ist schon wichtig darüber Bescheid zu wissen.
00:37:28: andererseits muss man aufpassen dass diese ganze Technisierung von Bildungsinhalten also von sexuellen Bildungsanheiten nicht dazu führen das man nichts mehr spürt.
00:37:41: Deswegen haben wir das im Magazin auch so gemacht.
00:37:43: es gibt halt diesen Teil der sexuell aufklärt über genau die Themen die du gerade angesprochen hast.
00:37:50: Andererseits ist es aber auch wichtig, dass jemand von innen heraus schreibt.
00:37:54: Also das man quasi die Testimonials hat, die über ihre Sexualität sprechen.
00:37:59: und du hast mich gerade gefragt wie ich denn diese ganzen Dinge für mich erschlossen habe?
00:38:03: Ich muss gestehen, ich bin ein extrem körperorientierter Mensch.
00:38:07: also ich achte genau da drauf was mit mir In bestimmten oder in gewissen Situationen passiert und zieht an meine Schlussfolgerung.
00:38:16: Und freue mich dann aber, wenn ich diese Schlussfolge für mich gezogen habe durch empirisches Lern sage jetzt mal, freu mich dann über das irgendwo ein Buch lese und weiß... Ich bin richtig normal!
00:38:29: So ist es ja.
00:38:30: Das sind immer die Fragen, die wir uns stellen.
00:38:32: Ist das denn richtig so?
00:38:35: Ich muss auch dazu sagen, diese Begriffe die wir haben, die machen das nicht unbedingt einfacher Sexualität zu verstehen.
00:38:40: Schon gar nicht Vipersexualität denn ich empfinde und das ist vielleicht ein neues Narrativ, ich empfehle Viper-Sexualität als etwas sehr, sehr widersprüchliches.
00:38:51: Mal ist es so, mal ist es So!
00:38:52: Es ist nie runterzubrechen auf einen Nenner Da haben Männer doch ein bisschen einfacher.
00:38:58: Ja ja so habe ich das noch nie betrachtet.
00:39:04: Ich könnte jetzt zu dieser Aussage, dass Männer es da einfacher haben.
00:39:09: Genau dazu könnte ich jetzt glaube ich gerade gar nichts sagen weil... keine Ahnung vielleicht ist das ja bei Männern auch so?
00:39:18: Ich finde es eine super schöne diverse Sichtweise zu sagen.
00:39:24: Es ist halt nicht immer so sondern es hat ganz viele Facetten Und diese Facetten kennenzulernen macht ja auch unglaublich viel Spaß.
00:39:34: Und den Raum zu geben, auch?
00:39:36: Genau!
00:39:38: Weil bei mir ist es nämlich genau umgekehrt über dir.
00:39:40: Ich habe erst mal ganz viel darüber gelesen und danach bin ich dann auf die körperliche Ebene gegangen... ...und hab quasi das was ich gelesen hat, da weiß ich nicht versucht anzuwenden und versuch zu erforschen.
00:39:55: Dadurch habe ich einfach wahnsinnig viel gelernt.
00:39:57: Das fand ich total gut.
00:39:59: Aber so unterschiedlich ist das, ne?
00:40:01: Ich glaub die einen gehen dann so vor um sich zu verstehen und Sexualität zu erleben und die anderen machen das auf eine andere Art und Weise.
00:40:08: Und das bildet eigentlich schon dieses Thema Sexualität ab!
00:40:10: Ja... Und merkst du bei dir auch Stimmen, die du geerbt hast, die vielleicht gar nicht so sehr deine sind?
00:40:21: Es sind nicht Stimmen.
00:40:22: Es sind eher so ... es ist eher so eine Atmosphäre die ich aber noch gar nicht so richtig benennen kann.
00:40:29: Ich kann dir mal eine Geschichte erzählen, ich komme von Rügen, ne?
00:40:32: Ich bin auf Rügen aufgewachsen im Norden Deutschlands und in einem Matriarchat, denn meine Mutter plus fünf Tanten und meine Oma.
00:40:44: Wow!
00:40:45: Und meinen Tanten standen alle ... In ihrer Lebensenergie.
00:40:51: also wenn wir zusammen kamen das war aus meinem Empfinden her relativ oft.
00:40:57: Wir saßen immer alle im Wohnzimmer, die Kinder haben so im Hintergrund gespielt.
00:41:00: Ich hatte auch noch elf Cousinen.
00:41:03: Noch einmal Wow!
00:41:04: Genau und wir haben so ein Hintergrundgespielt.
00:41:07: aber wir haben auch immer gelauscht weil ich fand damals die Situation wenn Frauen zusammenkommen Frauengruppen Frauenrunden extrem heilend.
00:41:18: Es war immer ein sehr, sehr schönes Gefühl mit meinen fünf Tanten zusammenzusitzen und in der Mitte meine Oma.
00:41:23: Und meine Tanten und meine Omas haben sich ganz oft über Sexualität unterhalten.
00:41:29: Nicht wertend nicht meckern ... Sie haben es nicht über ihre Männer ausgelassen, sondern sie haben über ihre Sexualität gesprochen.
00:41:39: Das finde ich unglaublich!
00:41:42: Haben so alte Mythen ausgegraben, haben über Orgasmen gesprochen.
00:41:48: Haben darüber gesprochen dass das DDR-Fernsehen keine Inhalte zu diesem Thema bietet.
00:41:54: Es gab ein Buch die Frau hieß es glaube ich damals im Osten.
00:41:58: Das lag bei uns rum.
00:42:00: Wir konnten das irgendwie einblättern und einlesen Und die Kinder haben im Hintergrund gespielt.
00:42:06: So nun war's aber so.
00:42:09: Meine Tanten hatten sehr viel Selbstwert, sehr viel selbstbewusstsein.
00:42:14: Das hört man auch schon aus der Erzählung heraus und alle haben sich irgendwann scheiden lassen.
00:42:20: Also alle fünf.
00:42:21: Und meine Oma hat gesagt, das ist alles meine Schuld.
00:42:26: Also deine oder von deiner Oma?
00:42:28: Von meiner Oma.
00:42:29: Also es ist alles mein Schuld, dass ich jetzt die Tanten haben scheiden lasse.
00:42:34: Auf der einen Seite hat sie quasi ihre Töchter dazu ermutigt in die Welt hinauszugehen mit ... mit ihrer Lust, mit ihrer Sexualität.
00:42:42: Und ich glaube ... dass das gar nicht so ungewöhnlich ist, wenn man sich auf Reisen macht in Bezug auf Sexualität, weil wie gesagt etwas mit Persönlichkeitsentwicklung zu tun hat, ist es gar nicht ungewöhnt, dass sich Frauen dann vielleicht auch von ihren Männern trennen?
00:42:59: Das war aber die Grenze für meine Oma!
00:43:01: Dann hat sie sich quasi dafür die Schuld gegeben, dass sie selbstbewusste Töchter erzogen hat sozusagen und das habe ich als etwas sehr Widersprüchliches erfahren.
00:43:12: Und diese Atmosphäre war dann auch kaputt danach, ne?
00:43:16: Also die Lust wurde quasi zelebriert durch Worte, durch Frauenrunden bei uns im Wohnzimmer.
00:43:24: aber als er meinen Tanten sich ausleben wollten und denn aus diesen ehrlichen Konstrukten ausgestiegen sind War das irgendwie wie ein Fluch der zurückkommt.
00:43:36: Weil ich war jetzt auch gerade ... Ah, okay.
00:43:39: Dass das für mich emotional schwierig fand es einzuorden und als du meintest widersprüchig, hab ich richtig gemerkt ja, das trifft total gut!
00:43:48: Und wie ist das jetzt für dich?
00:43:51: Oder wie gehst du damit um?
00:43:55: Es klingt wahrscheinlich nach...
00:43:58: Also ähm dass ich das Magazin mache.
00:44:02: Ich glaube, das reiht sich ein in diese Situation wie meinen Tanten da sitzen und über Sex reden.
00:44:08: Das ist auch aus der Sicht meiner Tanten und meine Kursinen ist es eigentlich nichts Ungewöhnliches.
00:44:14: aber trotzdem spüre ich dieses keine.
00:44:18: Grenzen überschreiten Vielleicht auch noch nicht mal andocken.
00:44:23: Wo sind Grenzen?
00:44:24: Dazu braucht man ja auch erst mal Sprache, um Grenzen zu definieren.
00:44:28: oder fühle ich sie nur... Das ist ja auch wieder so ein Prozess.
00:44:31: Also es ist irgendwie immer ... Ich gehe einen Schritt nach vorne und das kann aber auch gut sein dass wir jetzt zwei zurückgehen.
00:44:36: Es ist immer etwas Widersprüchliches!
00:44:38: Es ist nie etwas Klares.
00:44:40: also Sexualität ist nichts Klares.
00:44:44: Und das ist aber nicht nur von mir wollte ich damit sagen.
00:44:47: Das ist in unserer Familie quasi, das zieht sich so durch.
00:44:51: Und wenn du jetzt sagst, Sexualität ist nichts Klares.
00:44:55: Kannst du damit aber gut sein oder belastet dich das?
00:45:00: Ich würd sagen es nimmt Form an.
00:45:04: Sexualität is jetzt nicht klares Aber diese Form die darf ich ja noch für mich in meinem Leben erschaffen und ich glaube man kann dass eben Nicht allgemein gültig definieren was sexualität ist.
00:45:15: Das muss jeder Für sich tun Was das für sie bedeutet und mein Weg ist Ja noch nicht zu Ende ich lerne immer noch dazu.
00:45:22: Aber was mir aufgefallen ist, es ist total wichtig, dass ich die Sprache dafür auch habe.
00:45:27: Dass sie die Sprachausbilde war.
00:45:29: Sonst kann ich das alles gar nicht benennen!
00:45:30: Ich kann meine Grenzen nicht benennen, ich kann meine Bedürfnisse nicht benenden, ich kanne meine Wünsche nicht benenn... Genau und das ist ganz wichtig und mit Sprache arbeite ich ja eigentlich tagtäglich.
00:45:40: Genau, wollte ich gerade sagen, die Sprachen findest du dann oder wir alle in deinem Magazin?
00:45:47: Und in den Schreibworkshops auch, ne?
00:45:48: Das ist ja so das Besondere.
00:45:50: Also dass Magazin wirkt auf jeden Fall wenn man sich das durchliest.
00:45:53: aber dieser Schreib-Workshops da geht man halt noch mal viel stärker in die Tiefe und entwickelt seine eigene individuelle Sprache Lustesprach eigentlich.
00:46:03: Wie läuft es ab?
00:46:06: Es gibt Einzelcoachings, auch Gruppencoaching.
00:46:09: Ich mache total gerne Einzel Coachings weil ich auch jedes Mal total beeindruckt bin was Frauen wiedergeben.
00:46:19: Es gibt zum Beispiel eine Übung, wenn deine Sexualität ein Tier wäre welches wäre das?
00:46:25: Und da hat eine Frau geantwortet ist noch gar nicht so lange her einen Elefant und dann haben wir halt ein bisschen nachgeforscht warum sie Elefants sagt und sie meint der ist genauso undurchlässig wie ich für die Berührungen meines Mannes Und anhand von Fragen, also es ist ja ein therapeutisches Schreibprinzip.
00:46:50: Anhand von Frage können wir eben da tiefer einsteigen und die Frauen, die können ganz viel für sich ausgraben und eine neue Sprache finden.
00:46:58: Das finde ich total schön weil ... Wir haben ja Maren und Ich sind ja gerade dabei einen Kartenzettel zu entwickeln was bald auf den Markt kommt und da haben wir auch teilweise Schreibübungen mit drin.
00:47:12: Freundinnen von uns haben diese ganzen Übungen durchlaufen im Vorfeld.
00:47:16: Um zu gucken, funktioniert das?
00:47:18: Funktioniert das nicht und ich fand zum Beispiel auch die Schreibübungen wahnsinnig kraftvoll.
00:47:24: was mich jetzt noch nicht gewundert hat weil auch wenn ich irgendwas für mich sortieren möchte ist schreiben wirklich ein super Tool.
00:47:34: genau
00:47:35: muss jetzt auch gar nichts mit Sexualität oder so zu tun haben.
00:47:38: aber Das ist natürlich total gut, damit zu arbeiten im Bereich von Sexualität aus.
00:47:45: Total
00:47:46: oder auch in den Gruppen-Sessions wenn sich die Frauen gegenseitig vorlesen was sie geschrieben haben weil das dürfen Sie also bekommen den Raum dafür.
00:47:54: Das ist sehr heilend!
00:47:56: Weil Frauen verstehen sie sind mit dem was sie empfinden nicht allein.
00:48:01: Die meisten Frauen haben keine sexuellen Probleme.
00:48:03: Sie haben auch kein Problem mit Unlust.
00:48:05: es ist die Sprache die fehlt Dinge anders zu benennen.
00:48:09: Und wenn Frauen oft von Unlust sprechen, ich habe keine Lust auf das.
00:48:13: Das sind immer die Skripte oder die Narrative, die bemängelt werden?
00:48:18: Oh mein Gott!
00:48:19: Du hast gerade eine Sache, die ich so fühle aber noch nie die Worte dafür hatte, sehr auf den Punkt gewohnt.
00:48:30: Vielen Dank dafür!
00:48:33: Das kam wirklich gerade so richtig...
00:48:36: ...ins Herz.
00:48:37: Genau, ins Herz in meinen Innern.
00:48:40: Sehr
00:48:40: schön!
00:48:40: Ja,
00:48:42: sich da grade was total entspannt, weil du es so gut gesagt hast.
00:48:46: Ich erlebe das wirklich so in den Workshops ne?
00:48:48: Also das hat mir ja auch geholfen.
00:48:51: Gerade nach einer Geburt, da gehst du ja total anders raus in die Welt wenn du nur so ein Kind geboren hast.
00:48:59: Und ich verstehe dieses Thema Unlust immer nicht.
00:49:01: Ich verstehe auch nicht, dass das immer noch so... Es wird so komisch besprochen in der Öffentlichkeit.
00:49:07: Ja man kann auf was dagegen tun und versucht doch mal so und wieder kommen die Frauen in so ein Mangel.
00:49:12: Aber es ist wie gesagt, es ist nicht die Unluste, die stört.
00:49:16: Es gibt keine Unluster.
00:49:18: Frauen müssen sich nun anders ausdrücken und dazu braucht man Wörter.
00:49:22: Und also einmal ist jetzt so ein bisschen eine rhetorische Frage, aber ich stelle sie trotzdem.
00:49:29: Wie würdest du sagen dass Sprache und Wörter dazu beitragen können?
00:49:34: Und vor allem wenn du in die Medien guckst... Was würdest Du sagen an welchem Punkt wir da gerade stehen?
00:49:43: An einem sehr schwierigen Punkt denn man darf eigentlich gar nichts mehr sagen Und man sagt trotzdem irgendwie alles, gerade auch in Bezug auf Sexualität.
00:49:52: Ich finde aber das ist gar nicht notwendig, ne?
00:49:54: Also momentan habe ich das Gefühl dass die Sprache etwas ist was sich so In-Between auffällt.
00:49:59: also zumindest die Sprach, die ich gerne verwenden möchte für das Magazin.
00:50:03: Mit jedem Ausgabe geht die Geburt einer neuen Sprache ein Stück weiter und auch das ist ein Prozess.
00:50:11: es dauert alles noch.
00:50:13: Klar wie achten darauf, dass wir wie gesagt Körperteile korrekt benennen.
00:50:16: Dass wir sie überhaupt benennen weil nur wenn ich etwas benenne kann ich davon Besitz ergreifen.
00:50:24: also dann kann ich das irgendwie für mich verorten.
00:50:26: das ist meinem Körper zugehörig und das ist auch total wichtig.
00:50:31: aber wir sind glaube ich ja wir sind an einem Punkt wo man ganz genau aufpassen muss wie man sich ausdrückt als Frau, als Mensch oder auch als Mann.
00:50:44: Oder als man vielleicht sogar noch ein Tucken mehr momentan in den Medien und in Bezug auf Sexualität sowieso?
00:50:53: Ja ... Und wie würdest du das einordnen?
00:50:57: Also einmal was glaubst du, was daraus erwächst, wie es quasi weitergeht von diesem Punkt aus?
00:51:05: Und tu mich grad so ein bisschen schwer damit, das irgendwie zu werten.
00:51:10: Aber ... So von ... ich weiß nicht so, der Wichtigkeit her.
00:51:17: Warum sind wir an diesem Punkt?
00:51:21: Wir sind an dem Punkt, weil wir seit Jahrtausenden das patriarchale System leben oder in dem System leben und das bricht jetzt alles weg.
00:51:33: Nicht erst seit heute also schon in den letzten, weiß ich nicht, gefühlt seit Corona bricht das extrem weg aber auch da einen Schritt vor zwei zurück.
00:51:44: Das ist ein Prozess.
00:51:45: Und wir können uns jetzt irgendwie eingliedern mit dem Thema Sexualität, ne?
00:51:50: Ich glaube die Zeit war nie besser neue Narrative zum Thema Sexualitätszuschreiben und dafür gibt es uns.
00:51:58: Und ich glaube auch die großen Medienkonzerne überprüfen nach und nach wie sie über Frauenlust schreiben wie sie oder ob Sie die alten Narrative weitererzählen, denn wenn das Publikum total weitest in einer Bewusstheit oder einem Bewusstsein da müssen die Medien nachziehen und viele Frauen wollen diesen Quatsch gar nicht mehr lesen.
00:52:26: Also der ihn da angeboten wird?
00:52:28: Ja!
00:52:28: Das geht Hand zu Hand, es wird sich weiterentwickeln.
00:52:31: Erlebst du das auch unabhängig von den Magazinen dass viele Frauen das gar nicht mal lesen wollen und dass da gerade so eine kollektive Entwicklung stattfindet.
00:52:40: Ich erlebe das im Freundeskreis.
00:52:43: Ich schaue mich natürlich auch diese Magazine an und sehe, welche Sprache verwendet wird.
00:52:47: Ich bin aber auch so eine, die dann hinschreibt, wenn irgendwie was nicht in Ordnung ist.
00:52:53: Es gibt einen relativ bekannten Podcast ... Und dort wird immer von Schamlippen gesprochen.
00:52:59: Das kann halt nicht sein, dass so einer Persönlichkeit dieses Narrativ weitererzählt, es geht einfach nicht.
00:53:06: Da hat man eine Verantwortung, weil man in der Öffentlichkeit steht Und ich mache sie dann darauf aufmerksam, aber nicht ... also sehr konstruktiv.
00:53:14: Ja?
00:53:15: Nicht rummerkant oder provozierend oder dieses Bitch-Gabe auch so unter Frauen gar nicht!
00:53:23: Weil mir ist aufgefallen dass sich auch viele Medienmacherinnen dieser Verantwortung gar nicht bewusst sind.
00:53:29: ja es geht ja auch mal so ganz schnell um diese schnelle produzieren.
00:53:33: Ja, die Magazine kommen alle zwei Monate raus.
00:53:35: Wo ich immer denke, wo kommen die ganzen Inhalte her?
00:53:37: Sind überhaupt alle geprüft?
00:53:41: und natürlich kann man das machen wenn man alte Strukturen weiter erzählen möchte.
00:53:45: Wenn man aber im Bewusstsein ist und bewusst arbeiten möchte dauern diese Prozesse jetzt noch ein Stück länger.
00:53:51: Aber wir haben jetzt die Chance neue Narrative zu erzählen.
00:53:54: Das ist ja das Schöne an dieser Zeit
00:53:57: Ja!
00:53:58: Ach, das sind nicht schön.
00:54:00: Und jetzt mit Blick auf die Uhr
00:54:03: Ja, ich habe in zehn Minuten einen anderen Call.
00:54:05: Wenn jetzt mal eine Frage gibt es noch irgendwas was du uns und unseren Hörerinnen mitgeben möchtest?
00:54:15: Was du nicht los geworden bist?
00:54:18: Bestimmt aber das fällt mir jetzt nicht ein.
00:54:21: Erstmal möchte ich sagen wie toll ich euer Projekt finde.
00:54:25: Danke!
00:54:26: Das ist mir ganz wichtig dass sie eine ganz tolle Arbeit macht, gerade mit dem Kartenzett.
00:54:32: Ich freue mich drauf!
00:54:33: Wir werden natürlich dieses Kartenzet auch noch mal ganz gesondert in der nächsten Perfume Gartenausgabe vorstellen ... Mit einem Interview wahrscheinlich.
00:54:42: und ja ich freue mich auf die Zusammenarbeit.
00:54:44: also auch wenn jeder so ein bisschen für sich ist... ich mach Print ihr macht Podcast plus jetzt Kartenzelt.
00:54:51: dennoch es ist ja eine Vision und darauf freue ich mich das wir das ein bisschen Stück für Stück umsetzen.
00:54:58: Schön, ja ich mich auch und hab's jetzt wieder gemerkt in diesem Podcast.
00:55:04: Wie sehr wir wirklich dieselbe Vision verfolgen?
00:55:07: Weil ... oder wir sprechen natürlich mit ganz vielen Leuten die alle ein ähnliches Bild sag' ich mal haben.
00:55:18: aber es ist wirklich selten dass ich so oft denke Ja!
00:55:24: Das freut mich natürlich.
00:55:26: Ja, also vielen, vielen Dank für das Gespräch und für dein Schaffen!
00:55:31: Und ich finde einfach du bist eine ganz, ganz tolle Frau.
00:55:35: Vielen Dank!
00:55:35: Oh Pia,
00:55:36: danke schön!
00:55:37: Vielen Dank auch für die Einladung hat mich echt sehr gefreugt mit der Unterhaltung.
00:55:43: Sehr gerne!
00:55:43: Wenn Du Lust hast auf mehr abonnier uns, teil die Folge oder schreib uns auf Instagram
00:55:48: unter lustwandel.eu Bis bald.
Neuer Kommentar