27. Sexarbeit als Expertise - mit Velvet von Studio LUX
Shownotes
Über Velvet Velvet ist praktizierende Domina, Inhaberin des Studio LUX Berlin und politisch aktiv in der Sexarbeitsbewegung. Das Studio LUX bietet neben Arbeitsräumen auch ein umfangreiches Kursangebot rund um BDSM — für Profis und Privatpersonen. 🔗 Studio LUX Berlin: https://bdsm-studio-lux.de/
Themen dieser Folge
Was Sexarbeit ist — und was sie nicht ist Der Unterschied zwischen Sexarbeit und Menschenhandel BDSM, Kink und Dom/Sub-Dynamiken jenseits von Stigma Bizarre Lady vs. klassische Domina — eine historische Einordnung Sexarbeit als Expertinnentum: Kommunikation, Grenzen, professionelle Beziehungsarbeit Feministische Unternehmensführung im Studio LUX Das Prostituiertenschutzgesetz und seine Wirklichkeit Sexarbeitsfeindlichkeit als strukturelles Muster Kink, Trauma und Reenactment Emotional Labor in der Sexarbeit Ein Appell: Informiert euch, bevor ihr urteilt
Buchempfehlungen von Velvet 📖 Ruby Revelde — Warum sie uns hassen 📖 Revolting Prostitutes (englisch)
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Transkript anzeigen
00:00:00: Hey, wir sind Pia und Maren, Sexualberaterin um Psychologin.
00:00:03: Und du hörst Lustwandel – ein Podcast über weibliche Sexualität jenseits von Scham, Schmerz und Schweigen!
00:00:17: Ihr Lieben, ich habe ein Gespräch mit Velvet beziehungsweise Fabienne aufgenommen was unglaublich bereichernd und toll ist.
00:00:25: Und ich ganz dankbar bin dass sie unsere Gästin war und ich euch das Gespräch wirklich sehr ans Herz lege.
00:00:33: aber die Audioqualität ist leider nicht wie gewohnt weil es mit der Internet Connection hier und da ein paar kleine Wackeler gab nur dass ihr schon mal darauf eingestellt seid, wenn ihr euch das Gespräch anhört.
00:00:48: Ich wünsche euch aber ganz viel Spaß bei dem Gespräch!
00:00:52: Viel Einsicht und eine schöne Zeit mit uns!
00:00:57: Hallo zu einer neuen Folge Lustwandel!
00:01:00: Heute spreche ich mit Fabienne oder auch Welvild wie sie sich nennt.
00:01:06: Sie ist Sexarbeiterin, ihr gehört ein Bordell und vielleicht erzählst du super gerne erstmal selber ein bisschen... Was von dir?
00:01:17: Wie dürfen wir uns jetzt gerade dein Arbeitsumfeld vorstellen.
00:01:20: Woher kommst du, wie kam es dass du jetzt da bist wo du da bist?
00:01:25: ich bin ganz neugierig.
00:01:27: Hallo liebe Lustwandelnden schön das sich hier sein darf.
00:01:32: so also.
00:01:33: Ich bin praktizierende Domina seit bald schon mehr als zwanzig Jahren.
00:01:37: die Zeit vergeht viel zu schnell Und betreibe seit zehn Jahren ein Modellbetrieb, also einen Dominarstudio in Berlin.
00:01:46: Das ist das Studio Luxe und im Rahmen dieses Studiebetriebes haben wir ein Kurssystem aufgebaut.
00:01:53: Das heißt bei uns kannst du auch Workshops rund um BDSM buchen von Professionalisierung für Leute die in den Beruf einsteigen wollen bis hin zu Privatpersonen, die sich interessieren für wie funktioniert Konsens?
00:02:06: Wie schlage ich jemandem ohne dass ich da was Dauerhaft kaputt mache, was ist BDSM?
00:02:11: und so weiter und sofort.
00:02:13: Seit drei Jahren habe ich noch eine kleine Pornoproduktion gestartet weil Content dieser Tage wichtig ist sich auf dem Markt zu platzieren.
00:02:22: Und ja das ist die berufliche Seite der ganzen Angelegenheit.
00:02:28: Wie ich dazu gekommen bin Ich bin in die Sexarbeit eingestiegen.
00:02:32: Für mich ist auch die professionelle Dominanz Sexarbeit, ich mache da keinen Unterschied.
00:02:36: Ich bin eine stolze Hure und stehe ja für die Rechte von Sexarbeitenden.
00:02:43: Wo machst du keinen Unterschied?
00:02:44: Das habe ich nicht verstanden.
00:02:45: Zwischen
00:02:46: Prostitution also dem was die allgemeinen Bevölkerung oder die meisten Menschen vielleicht auch die meisten Leute, die jetzt zuhören unter Sexarbeit verstehen das meistens Prostitutionen.
00:02:55: Da tauchen dann so Bilder auf wie Beine ohne Körper, die sich in irgendwelche Autos hineinlehnen oder auf Barhocker sitzen, die bestumpft sind und langes Lettos anhaben.
00:03:06: Meist schmutzigen Dinge in irgendwelschen schmierigen Orten tun, sodass es ja meistens auch das Bild des Medien verbreitet wird.
00:03:14: Sexarbeit ist für mich ein sehr breites Feld dass alle Formen von sexueller und erotisierter, intimer Arbeit beinhaltet.
00:03:23: Das fängt bei Striptease an über Onlinearbeit, Webcam, Content-Produktion im Pornobereich.
00:03:29: Klassischer Sexarbeit also Full Service mit Geschlechtsverkehr ums mal auszusprechen bis hin zu dem auch sehr weiten Feld der professionellen BDSM Dominanz alleine ist es ja nicht.
00:03:40: Es sind immer viele Bereiche die da stattfinden.
00:03:43: Ja okay Okay, dann erzähl gerne weiter wie du dazu gekommen bist oder deine Anfänge.
00:03:52: Ich bin eigentlich in Bayern groß geworden und wer Bayern kennt weiß dass es da sehr konservativ zugeht.
00:03:59: und ich habe schon recht früh festgestellt das das kein gesellschaftliches Umfeld ist indem ich mich sehr wohl fühle.
00:04:05: und ich bin dann auch bei einer guten Gelegenheit während mein Beginn meines Studiums nach Berlin Ausgewandert, geflüchtet fast.
00:04:15: Aber ja also ausgewandt und um hier zu studieren Und habe natürlich das gemacht was die Leute neben ihrem Studium so machen hab ich mit so allerlei Nebenshops über Wasser gehalten Hab ein bisschen Performance Kunst gemacht, hab an Bars gearbeitet Stand eine Weile an der Tür in einem kleinen Club, hab bestimmte... Also im Kinderladen habe ich gearbeitet.
00:04:35: Also lauter so Kleinkramen, ne?
00:04:36: So gelegenheitsjob, die man halt so hat.
00:04:39: Die waren teilweise stark saisonal abhängig und eines Tages fand ich mich dann ohne Job wieder, aber mit einer Miete die zu bezahlen war.
00:04:47: Und ich habe dann das Internet durchsucht und festgestellt es gibt ganz viele Anzeigen für mit Chatten Geld verdienen, chatte mit Männern und werde gut dafür bezahlt.
00:04:58: Ich dachte mir, das ist bestimmt ein Scam aber ich habe jetzt eh nichts zu tun.
00:05:02: Ich muss sowieso die ganzen Bewerbungen schreiben und Shops abklappern und so.
00:05:05: dann kann ich da jetzt auch noch mal eine hinschicken und mal gucken was das ist.
00:05:09: Vielleicht hab' ich ja eine Karriere vor als Investigativ-Journalistin.
00:05:14: Da war's es nicht geworden!
00:05:15: Aber ich hab' dann festgestellt dahinter steckt ein Webcam Studio.
00:05:20: Das heißt also irgendwo haben irgendwelche Leute Räume angemietet, Internethaltung reingelegt und Arbeitsplätze vor der Webcam vermietet quasi.
00:05:29: Und dann gehst du halt in diese Chats.
00:05:31: Wer sich da noch erinnert aus den späten neunzigern Teletext?
00:05:35: spät abends ruf mich an und dann steht da die Domina mit der Peitsche sowas in der Richtung.
00:05:41: Ich hab das eine Weile gemacht!
00:05:42: Und dann festgestellt, dass das ein ganz beschissener Deal ist.
00:05:45: Weil die fünfzig Prozent von meinen Einkünften behalten haben dafür, dass sie mir einen Rechner hingestellt haben und Licht auf mich gepointet haben.
00:05:53: Ich war bei den Vitalen aber selbstständig angemeldet.
00:05:56: Die Portale nehmen ja sowieso noch mal vierzig bis sechzig Euro.
00:06:00: Das heißt für dem, was da für mich Prozent nicht Euro ... Was da übriggeblieben ist, hätte ich mit den Typen geteilt, die Faul in ihrem Office sitzen und nichts machen außer Licht an Licht aus?
00:06:11: So, das kann ich dann selber auch besser.
00:06:14: Hab das denn also zu Hause?
00:06:15: Habe ich mir einen Arbeitsplatz eingerichtet mit einer kleinen Webcam und ein bisschen Licht und habe mir eine paar schöne Dominar-Kamotten... Also viel musste ich nicht besorgen!
00:06:24: Ich bin privat auch schon im SM Bereich unterwegs gewesen Und hab dann zu einer Zeit mit Webcam-Chat angefangen, als da noch gutes Geld drin war.
00:06:32: Das ist dieser Tage auch nicht mehr ganz so einfach aber damals war das irgendwie so wow hier kann man echt Geld verdienen.
00:06:37: Plötzlich hatte ich Geld am Ende des Monats übrig und nicht mehr Rechnungen.
00:06:41: Und das war natürlich mal sehr wohltrund.
00:06:43: Die Berliner klassische Studentin wird das wahrscheinlich zu schätzen wissen dass es plötzlich keine Geldsorge mehr gibt.
00:06:49: So ging mir das auch.
00:06:51: Aber was diese Webcam Arbeit die ist sehr distanziert Du musst dir das so vorstellen, die Leute bezahlen hat teilweise auch teures Geld für eine Minute und Die Zeit tickt.
00:07:03: Solange die online sind und ich sehe mit mir kommunizieren in diesem Chatzen Ich die vielleicht selber auch sehen kann wird denen das geld abgezogen.
00:07:10: minute drei vier euro irgendwie sowas Teilweise sogar mehr.
00:07:14: Das heißt also sobald sie befriedigt sind und die fantasie fertig ist zack bumm sind die weg Weil das natürlich jede Verabschiedung ist dann halt gleich nochmal mehr Geld, und das leppert sich.
00:07:26: Das sorgt also dafür dass diese Begegnungen die du dort hast sehr schnell sehr intensiv sind.
00:07:32: Du musst also sehr schnell auf den punkt kommen diese fantasie herausfinden direkt einsteigen Ansonsten sind sie halt auch weg und natürlich kriegst du mehr provisionen wenn du dir länger hältst usw.
00:07:42: Und sofort Und sobald es eine sehr dichte und auch intensive Begegnung abgeschlossen ist, sind die sofort verschwunden.
00:07:49: Es gibt keinen Nachgespräch oder gemeinsames Ausklingen.
00:07:54: Das kommt schon noch mal ein Stück ab aus der privaten Szene.
00:07:57: Da schöne Dichte Runde Sessions haben kann, die halt auch so einen Ende haben.
00:08:02: Trotz der Kohle ging das relativ schnell auf den Nerven.
00:08:05: Dann dachte ich aber ... Ja, also das ist ja jetzt online die Themen.
00:08:09: Machen wir jetzt alle überhaupt keine Berührungsängste?
00:08:12: Die Menschen mit denen ich da zu tun habe sind jetzt zwar sehr sagen wir mal zielorientiert in dem was sie von mir wollen aber eigentlich so ganz normale Typen und die hätte ich auch auf Arbeit treffen können, die hätt ich auch an der U-Bahn treffen können.
00:08:25: Das hätten Professoren von mir sagen können Nachbarn Verwandte usw.
00:08:29: Also das sind halt einfach irgendwelche normalen Menschen.
00:08:32: Und dann dachte ich naja gut Dann kann ich ja eigentlich auch mal gucken wie is'n dass mit echten Sessions?
00:08:37: Und habe mich umgeguckt im Berliner Umfeld und festgestellt, es gibt da so Studios.
00:08:43: Dann hab ich mich dabei eine ganz kleine Studiegeschichte beworben, hab dahin geschrieben und gesagt hey!
00:08:48: Ich mach das, dass das... Hier sind zwei oder drei Bilder von mir.
00:08:51: Ich hatte Lust, das auch mal im realen Leben zu machen.
00:08:54: Wie sieht's aus?
00:08:55: Hab bei euch arbeiten.
00:08:57: Das war mein Einstieg.
00:09:00: Und wie kam es dann dazu, dass du dein eigenes Studio jetzt hast?
00:09:05: Ich habe von Anfang an immer gesagt.
00:09:07: Das war sehr witzig!
00:09:08: Ja also als Dominar arbeiten das ist ja toll und so.
00:09:11: aber eigenes studio nee danke.
00:09:13: und natürlich hat sich das Schicksal gedacht ja fuck you das machen wir jetzt anders.
00:09:20: ich hab da schon ungefähr acht, neun hat sich dann auch immer mehr so überhand genommen.
00:09:25: Also was heißt überhandgenommen?
00:09:27: Die Überlegung war für mich halt ganz einfach zwei Tage im Studio sein paar Gäste machen bleibt mir viel mehr Geld übrig als Für die Mindestlohn-Shops, die ich vorher hatte um dann halt irgendwie so ein bisschen Geld in die Tasche zu kriegen.
00:09:39: so weniger Arbeit mehr Freizeit mit mehr Netto und Geldbeutel So das war so was den Shop halt auch attraktiv für mich gemacht hat.
00:09:48: Dann habe ich mich gut mit den Kolleginnen verstanden.
00:09:50: Ich hab mich ganz gut mit der Schulchefin da verstanden, das war so eine kleine Privatnummer im Hinterhof dritter Stock irgendwie so also... Naja!
00:09:59: Ich weiß nicht ob ihr euch vielleicht dran erinnert, es gab dann dieses Güssenaufschrei über das Prostitutionsgesetz von zwei tausendzwei muss dringend überarbeiten werden.
00:10:09: Es ist alles so schrecklich in der Prostitution, wir müssen jetzt ganz dringent einen prostituierten Schutzgesetz machen Und ich war damals schon politisch aktiv in der Sexarbeitsbewegung und habe das dann mitgekriegt, dass genau dies irgendwie so der große Ansatz war.
00:10:23: Wir müssen jetzt alles noch mehr regulieren.
00:10:25: Das muss alles noch viel dichter gemacht werden.
00:10:28: Leute müssen sich anmelden vielleicht brauchen wir wieder einen Bockschein?
00:10:31: Und das war eine große politische Debatte die natürlich mich eins zu eins betroffen hat und viele andere Sexarbeitende also eigentlich alle auch.
00:10:38: Und relativ bald als die ersten Gesetzesentwürfe raus kamen, war schon klar diese ganzen kleinen Läden Diese ganzen kleinen selbstorganisierten Läden, wo Leute aus der Wohnung rausarbeiten oder sich einen Platz anmieten und dann sich zu Tritt teilen.
00:10:52: So kleine WGs und diese kleinen selbst-organisierte Wohnungsmodelle.
00:10:56: Das fällt alles aus diesem Gesetz heraus, aus dieser Legalität raus weil die sich nicht mehr genehmigt kriegen.
00:11:01: das heißt also es war absehbar dass mein Arbeitsplatz über kurz oder lang weg ist.
00:11:08: kann ich entweder in so ein großes Studio gehen, die habe ich mir auch angeguckt und teilweise auch in einigen etablierten Studios gearbeitet.
00:11:16: Und da war festgestellt das ist nicht so mein Arbeitsplatz.
00:11:21: Ich bin eine selbstständige Person, ich möchte gerne selbst meine Gäste machen.
00:11:25: Ich möchte nicht den ganzen Tag darum sitzen sondern ich will zum Termin kommen.
00:11:29: wenn ich was anderes zu tun habe will ich auch wieder gehen In so einem kleinen Aufenthaltsraum sitzen müssen, wo alle rauchen.
00:11:37: Dann sind noch drei Hunde und da gab es dann noch kein Internet.
00:11:42: Heutzutage unvorstellbar!
00:11:44: Der Fernseher lief... Es war halt Beschallung von allen Seiten.
00:11:47: Dichs Rauchnolten, Kleff-Kleff, Drahtsturm.
00:11:49: Deswegen war's mir immer lieb in so kleinen Länden zu arbeiten.
00:11:53: Die auch nicht so richtige ausgeschriebene Bordelle sind.
00:11:56: Aber klar geht mich mehr.
00:11:57: Dann haben mich zwei Kolleginnen angesprochen, auch aus der Hurenbewegung.
00:12:02: Sie würden gerne genau aus diesen Gründen einen Studienbetrieb aufmachen wollen und sie bräuchten noch eine Person die mit einsteigt weil das viel Arbeit ist.
00:12:09: Die Arbeit müsste man sich teilen.
00:12:12: und ob ich mir das vorstellen könnte.
00:12:13: Und das konnte ich mir sehr gut vorstellen.
00:12:16: Weil ich mir dachte dann machen wir halt selber was?
00:12:18: Und dann kann ich halt das so gestalten dass es vom Arbeitsplatz her so ist wie ich selbst gerne arbeiten würde.
00:12:26: Und dann haben wir, in den Jahr zwei Tausend Fünfzehn, einen kleinen Betrieb aufgemacht.
00:12:31: Drei Räume in so einer Hinterhofremise.
00:12:33: Die habe ich auch immer noch, die werden auch immer betrieben mit liebevoller Kleinarbeit und viel eigener Womanpower ausgebaut.
00:12:42: statt eine kleine Renovierung wie wir dachten, da haben wir mal eben schnell Kern saniert, neues Wasser, neue Strom Neue Böden eingezogen, Wände rausgerissen also wirklich das komplette Programm Und dann das erste Studio Luxe öffnet.
00:12:57: Arbeitsplatz für drei Leute plus Freundinnen, Freundin in Anführungsstriche weil das war von Anfang an nicht der Plan irgendwie so ein großen Laden drauf zu machen.
00:13:06: Das wiederholt sich.
00:13:07: das erst habe ich gesagt Ich mache kein Modell auf und dann habe ich gesagt Ich mach keinen großen laden auf Deshalb auch nicht klappt.
00:13:15: Von Anfang an war das halt auch schon, wirst du dieser politische Gedanke Sexarbeit als auch ein wertvolles Gut für die Gesellschaft.
00:13:23: Wir haben Sexarbeit und wir haben Wissen aus sexueller Interaktion, wir haben wissen über eine wohlgestaltete Sexualität, über Erotik, über Intimität – das ist ja einfach nur viel mehr als Hinhalten und so, sondern es ist ja ne richtige Gestaltungsebene, die da passiert.
00:13:40: Das ist einfach auch sehr viel Expertin in Bissen, was sich da ansammelt.
00:13:43: Gleichzeitig hast du aber auf der anderen Seite eine gesellschaftliche Idee von Ja die Huren können ja nichts und das wäre ja einfach!
00:13:51: Und dann gehe ich halt einfach Fußbilder bei OnlyFans verkaufen und so Sachen hört man da also immer ein bisschen so Inherent-Hurenfeindliche Rösserungen, die dieses Bild transportieren... Die Hure ist schmutzig sie kann nicht, sie hinterzieht Steuern, sie ist debisch usw.
00:14:06: Und das ist natürlich alles Unsinn.
00:14:09: Wir sind genauso Leute wie die Leute, die im Friseur dann Bäckerhandwerk arbeiten oder in der CEO-Etage wahrscheinlich sogar wesentlich ehrlicher als die Leute in irgendwelchen Schiffentagen.
00:14:19: No shade – noch ein bisschen shade schon!
00:14:23: Wie kann man da was entgegensetzen?
00:14:26: Und mir war das halt von Anfang an auch schon wichtig eine politische Aussage und eine gesellschaftspolitische Ausslage und eine kulturelle Aussage über diesen Modellbetrieb zu machen so... Und das naheliegendste ist die Leute einzuladen und so sagen, hey wir haben euch was zu zeigen.
00:14:40: Wir haben euch etwas beizubringen.
00:14:41: Wir können euch unser Wissen vermitteln und ihr könnt bei uns Kurse.
00:14:46: Das war recht schnell sehr erfolgreich.
00:14:49: Dann waren die Arbeitsbedingungen, die wir da so gestaltet haben auch sehr schnell sehr attraktiv für viele Kolleginnen und wir hatten dann erst drei, dann fünf, dann zehn, dann fünftzehn Leute, die unsere Räume mit genutzt haben und dann fast jedes Wochenende.
00:15:01: einer der großen Räumen war noch belegt für die Kurse.
00:15:04: Du merkst, es wurde eng.
00:15:06: Und dann war halt die Frage Na ja, schränken wir unser Angebot ein oder lagern wir aus?
00:15:11: Oder vergrößern wir uns und über unterschiedliche Umstände kam's dazu dass ich einen größeren Laden entdeckt habe in Fußweite fünf Minuten entfernt über eine Nachtclub gelegen In so einem alten Jugendstilhaus.
00:15:22: also alles hier sehr schön.
00:15:23: da sitzen wir auch gerade so und haben da noch weitere fünf Räume angemietet nochmal fast über zweieinhalb Quadratmeter.
00:15:32: Und dann plötzlich war ich Besitzerin eines Großbordells, wie man das so nennt.
00:15:37: Viele Leute, viele Zimmer, zwei Locations ... Ein Kurswesen, das Wissen vermittelt und ja, so ist das passiert.
00:15:45: Das war also der Schnelldurchlauf.
00:15:47: Dann kam irgendwann Corona.
00:15:48: Das ist natürlich auch eine große Herausforderung gestellt hab.
00:15:51: Die anderen beiden Geschäftspartnerinnen haben sich aus dem Geschäft zurückgezogen, weil das Risiko für sie zu groß war, das zu tragen.
00:15:59: Ich habe dann aber gesagt naja, zumachen Und alle unsere Leute, die uns bis jetzt vertraut haben ihre Selbstständigkeit bei uns auch aufgebaut haben.
00:16:08: So von jetzt auf gleich auf die Straße stellen.
00:16:11: und so sagen wir den Ort gibt es nicht mehr.
00:16:13: oder die gesellschaften die unternehmerische Verantwortung wahrnehmen und sagen naja gut jetzt läuft's hat man nicht so gut aber wir schaffen das schon irgendwie.
00:16:20: wir machen jetzt weiter und ich habe mich dann das letztere entschieden hab die anderen beiden ausbezahlt und macht den Laden jetzt alleine.
00:16:28: Okay, aber jetzt ... da waren so viele Sachen drin.
00:16:31: Ich hab ganz viele Fragen!
00:16:34: Also einmal vielleicht, dass du ... weil bevor wir das Gespräch gestartet haben, haben wir kurz noch mal eingecheckt und da hast du mir gesagt die Abgrenzung zwischen Freiwilligersexarbeit und gezwungener Sexarbeit.
00:16:51: Und genau, dass dir das auch noch einmal einordnest?
00:16:55: Also das ist mir jetzt auch gleich wichtig da einzuhaken, weil die Formulierung war schon mal misleading.
00:17:00: Es gibt keine gezwungen in der Sexarbeit.
00:17:02: Es geht um Sexarbeit, dass es eine erotische oder sexuelle Dienstleistung zwischen einvernehmlich dafür stimmenden Erwachsenen gegen einen Ausfall.
00:17:14: Das Gütersaal, das Geld, meistens ist das Geld so geprägt, ist das von einer gewissen Freiwilligkeit.
00:17:20: Jetzt kommt auch gleich das Aber.
00:17:22: So weit wie halt in einem patriarchischen, kapitalistischem System eine Freiwilligkeit bei der Berufswahl zum Gestaltung des Lebensunterhalts sein kann?
00:17:30: Ich hole einen grüßen Aus, du merkst diese ganze Debatte ist auch immer schon sehr überlastet.
00:17:34: Das muss man Sachen auch sehr genau definieren.
00:17:37: deswegen ist mir das auch wichtig.
00:17:38: wenn wir jetzt über ein Abhängigkeitsverhältnis und ein Zwangsverhältniss reden also dass jemand unfreiwillig zu Dingen gezwungen wird die diese Person nicht machen möchte is das keine Sechsarbeit.
00:17:48: Es gibt also auch keine gezwungene Sexarbeit, es gibt Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung.
00:17:56: Das ist eine enge Definition, die bestimmte Kriterien erfüllen muss, die immer unter Zwang stattfindet und da hört es auf, Sexarbeit zu sein.
00:18:05: Sexarbeit bedeutet Freiwilligkeit!
00:18:09: Okay, super.
00:18:10: Danke!
00:18:13: Also ich dachte mir vor dem Gespräch schon okay wow das war jetzt total gut und jetzt denke ich es mir nochmal mehr.
00:18:20: genau also deswegen liebe ich immer den Austausch mit unseren Gästinnen weil ich selber so viel Neues noch lernen kann.
00:18:27: also vielen Dank dafür.
00:18:29: gerne
00:18:30: und dann meine nächste Frage warum BDSM?
00:18:36: Für mich persönlich liegt BDSM nahe, weil ich das kann.
00:18:40: Und ich habe eine Neigung.
00:18:42: Ich hab dir auch schon sehr früh angefangen in meiner Sexualität auszuleben und der Sache Raum zu geben.
00:18:46: Hab mich da auch vernetzt mit Leuten und hab relativ schnell festgestellt ... Das ist was, was mir privat gut tut, was ich gerne mache, mit dem ich mich auch gerne beschäftigen möchte.
00:18:57: D.h.,
00:18:57: ich hab da also auch schon eine gewisse Expertise im Sinne von... Ich hab schon lange BDSm gemacht bevor ich überhaupt eingestiegen bin in die Sexarbeit mitgebracht.
00:19:06: Und dann ... hat sich das angebrochen so.
00:19:12: Ich hab auch überlegt, es ist nicht so, dass BDSM immer gleich da wirklich gefügelt.
00:19:17: Sondern BDS-M geht um Kink und Dominanz, Machtverhältnisse oder Unterwerfungen nach dem, auf welcher Seite man steht.
00:19:25: Welche Rollen man da einnimmt?
00:19:27: Das schließt Sexualität und Errote gar nicht aus.
00:19:30: Das schießt mitunter geschlechtsverkehrlicher aus.
00:19:32: Okay!
00:19:33: Eine persönliche Entscheidung, was sie tun.
00:19:40: Dom-Subdynamik Im BDSM gibt es Rollen.
00:19:44: Die bekannteste Unterscheidung ist Dom und Sub.
00:19:47: Die dominante Person, das ist Dom oder Top übernimmt die Führung und Kontrolle.
00:19:53: Die submissive Person – auch sub oder bottom genannt – gibt Kontrolle ab freiwillig und innerhalb vereinbter Grenzen.
00:20:02: Was von außen wie ein Machtgefälle aussieht, ist in der Praxis auf das Gegenteil.
00:20:07: Die submissive Person bestimmt durch ihre Grenzen, was überhaupt passiert.
00:20:11: Konzent ist das Fundament.
00:20:13: Forschende betonen gesunde Donshub-Dynamiken zeichnen sich durch intensive Kommunikation und klare Absprachen aus.
00:20:20: Kontrolle abzugeben kann eine tiefe Form von Selbstbestimmung sein wenn der Rahmen stimmt.
00:20:27: Als kleinen Exkurs, wer sich da mal auf so Werbeseiten umsieht, fällt wahrscheinlich auf dass es einerseits Boominas gibt und andererseits Pizzaladies.
00:20:35: Wenn man da so von außen drauf guckt, dann denkt man sich ja und was ist jetzt der Unterschied?
00:20:39: Die eine ist ne Dominar.
00:20:40: Und die andere ist ne bizarre Dominar.
00:20:42: Der Unterschied ist der folgende dass die Dominar Marketing technisch es sich quasi als klassische Dominer eher versteht und eher sexuelle Kontakte bei sich selbst ausschließt Während ne Bizar-Lady wie das halt viel im privaten SM auch üblich ist erotik und Intimität in ihre Praxis mit einschliesst.
00:21:05: In welchem Bereich und in welchem Spektrum, also konkret gesagt ob sie jetzt vögelt oder sich lecken lässt oder halt keins davon oder alles davon entscheidet sie selbst.
00:21:17: Aber Marketingtechnisch erwartet jemand der sich das dort zumindest mehr über erotisch gesprochen und auch eine gewisse Form von Intimität im Service schon irgendwie mit drin ist.
00:21:28: was genau wird dann noch mal konkret besprochen?
00:21:30: Und weil du jetzt gerade als Beispiele genannt hattest, entweder Geschlechtsverkehr oder sich lecken lassen.
00:21:39: Also sind das dann auch die Dinge?
00:21:41: Oder ist es dann auch so dass sie dem Kunden einblasen kann oder wie auch immer?
00:21:48: Oder gehört das eigentlich gar nicht richtig zum Repertoire?
00:21:53: Das ist jetzt so ein bisschen das goldene SM-Handbuch.
00:21:55: und ob man zum Lachen in den Keller gehen musste, wenn man einen SM macht.
00:21:58: Und ob es da ganz feste vorgeschriebenen Regeln gibt?
00:22:00: Nein, gibt's nicht!
00:22:01: Wir reden hier immer noch über eine Ausgestaltung von persönlicher Intimität, von Sexualität... ...und wie immer ist das an der Range.
00:22:08: Das ist immer ein Spektrum.
00:22:10: Du kannst auch gucken in jedes private SM-Forum.
00:22:12: Da gibt es Leute die sagen, eine echte Domina würde niemals dies oder dass tun während andere Leute sagen ach was soll das?
00:22:19: wir sind kinky und wir haben Spaß dabei Und es gibt einfach Bedarf für alles.
00:22:24: und deswegen schließe ich professionelle Dominanz oder professionellen SM, muss ich ja eigentlich sagen.
00:22:30: Die Subs gehören hier auch dazu nicht aus von der Sexarbeit weil es findet da ganz klar Sexualität statt.
00:22:37: die Frage ist halt nur in welcher Form diese Unterscheidung zwischen Pizarre Lady das ist eine historisch so ein bisschen gewachsene Marketingschiene, die sich in Deutschland aufgetan hat und die unserer politischen Vergangenheit in der Regulierung von Sechserwald geschuldet ist.
00:22:53: Wenn wir zurückgucken an die Achtziger da war Prostitution auch sitenwidrig.
00:22:57: man musste dann da sich auch den Bockschein holen also einmal eine Woche vom Gesundheitsamt gynäkologisch untersuchen lassen.
00:23:02: ohne Stempel durfte man nicht arbeiten.
00:23:04: wenn man sich den nicht geholt hat kann man noch ein Knast Minimemo
00:23:11: Der Bockschein.
00:23:12: Bis in Deutschland gab es den sogenannten Bockschein.
00:23:17: Sexarbeitende waren verpflichtet, sich wöchentlich beim Gesundheitsamt gynäkologisch untersuchen zu lassen.
00:23:23: Erst mit dem Stempel durften sie arbeiten und wer ohne Schein erwischt wurde riskierte Gefängnis.
00:23:29: Das ganze lief unter dem Deckmantel des Gesundheitsschutzes aber untersucht wurden ausschließlich die Sexarbeitenden nie die Kundschaft.
00:23:37: Was das stattfand, war weniger Fürsorge und Gesundheitsschutz als mehr staatliche Kontrolle über den Körper und die Existenz.
00:23:45: Der Bokschein ist abgeschafft!
00:23:47: Die Grundide dahinter, dass der Körper von Sexarbeitenen besonderer staatlicher Regulierung bedarf findet sich allerdings bis heute in der Gesetzgebung wieder.
00:23:58: Also so sah das damals aus.
00:24:00: Man durfte auch keine Arbeitsorte zur Verfügung stellen, man durften die nicht schön machen.
00:24:05: Das war dann gleich eine Förderung von Prostitutionen und wurde geahnt.
00:24:08: Die Situation war ne völlig andere.
00:24:10: in diesem Klima hat es total Sinn gemacht für findige Unternehmerinnen, die Dominanz angeboten haben sich abzugrenzen vom Sexarbeit.
00:24:22: Bei uns wird ja nicht geförbelt, wir machen ja was viel besser.
00:24:25: Man sieht das heute wieder so ein bisschen mit dieser Anmeldungsgeschichte.
00:24:29: Sechs Arbeiter müssen sich extra anmelden bei der Extrabehörde als Prostituierte.
00:24:34: Wir sehen es in der Tantra-Szene wieder.
00:24:36: Die Tantrika-Rinnen und auch die Sexological Bodyworkerinnen arbeiten alle sehr eng mit Sexualität, mit Intimität auf einer Range.
00:24:46: Die haben aber selbst jetzt ein großes Interesse, sich abzugrenzen von Sexarbeit.
00:24:50: Um sich ihre bürokratischen Arbeitsaufwand zu erleichtern.
00:24:54: Weil wenn ich nämlich nicht als prostitierte Gelte muss sie mich ja nicht anmelden.
00:24:58: also so der Gedanke Der Gesetzgeber sieht das oft anders.
00:25:01: und du siehst dass auch in Ländern in denen Sexarbeit per se komplett verboten ist.
00:25:05: Dass es dann halt so Ausnahmen für SM gibt solange halt nicht Intimes gemacht wird.
00:25:11: Das heißt diese bürokratischen Hürden die sind für menschen die dann halt auch wirklich geschlechtsverkehr haben.
00:25:18: also mir geht es darum klar zu machen.
00:25:20: Also es macht historisch gesehen Sinn, dass sich die klassische dominer ohne geschlechtsverkehr positioniert auf dem markt.
00:25:26: Dann hat sich einfach weil das halt einfach bürokratisch viel einfacher ist um sich abzugrenzen in dieser hohen hierarchie sich nach oben zu stellen und so sagen ich bin was anderes.
00:25:34: ne es ist einfach mit büro gerade.
00:25:36: Das ist nicht gut.
00:25:37: Ich persönlich halte das nicht für einen guten Move und ich finde, dass auch nicht irgendwie entschuldbar sich da so abzugrenzen und wegzutreten.
00:25:45: Ich kann nur nachvollziehen, dass das aus einer unternehmerischen Sicht für manche Leute gut Sinn gemacht hat zu sagen, wir machen keinen Sex.
00:25:51: Das wird feiner gar nicht drunter.
00:25:53: Wir dürfen hier frei arbeiten.
00:25:54: Das ist eine ganz andere
00:25:55: Dienstleistung.".
00:25:56: Dann kam der Werbemarkt.
00:25:59: Mit dem Internet gab es auch viel Internet-Werbung, das heißt Leute haben dann Werbung gemacht.
00:26:02: Und die klassische Domina, so Dominarportale, die heißen auch teilweise so, haben sich dann etabliert auf denen man halt dann beworben hat und sich gezeigt hat und man Gäste gefunden hat.
00:26:14: Dann gab's diesen gesellschaftlichen Wandel.
00:26:17: einerseits kam BDSM mehr an.
00:26:19: Das war nicht nur so ein Nischen-Ding, was die Perversen machen.
00:26:23: Blödsicht war das Our Woke.
00:26:25: Man sieht's im Kino und liest Bücher drüber, man will das selber machen.
00:26:28: Man geht auf sechs positive Kinky-Partys ... Und Gott sei Dank kommt BDSM in der Mehrheitsgesellschaft an.
00:26:35: Wie es halt so ist, im Privaten wird nicht unterschiedend in die strenge Lederlady.
00:26:39: Also vielleicht auch.
00:26:42: Sondern da gehts auch um Erotik und Sex.
00:26:44: Und das fragen Gäste natürlich nach.
00:26:47: Natürlich antwortet der Markt und viele Kolleginnen haben dann gesagt, ja cool weil.
00:26:51: Habe ich ja schon Bock drauf?
00:26:53: Und macht mir auch gar nichts aus kann Ich auch anbieten.
00:26:57: und Dann gab es aber so ein bisschen so dieses die klassischen Dominas der Oldschool Geschichte so eepfui seksi das passiert Aber bei uns nicht.
00:27:04: dass ist ja.
00:27:05: und Die neuen leute die so auf den mark gekommen sind ach ihr habt euch doch nicht So.
00:27:09: das ist hier alles ganz easy.
00:27:10: und da musste dann plötzlich so eine kategorie geboren werden und die findigen werbeläute haben dann einfach die Kategorie Bezahlerie aufgemacht, haben eine extra Kategorie geschaffen und konnte man auch extra mit dem Brightestack versehen um sich da reinwerben zu lassen.
00:27:25: Das ist meistens in der Bezahn-Bereich.
00:27:28: Und dann konnte man das bewerben.
00:27:31: Gewandelt hat sich dann auch so gelustwandelt, hat sich die Sicht gefunden.
00:27:37: Plötzlich, früher war es ja so, du musstest teilweise noch ein Pornoshop unter der Ladentheke den geheimen Dominarführer kaufen wo die Leute Printwerbung gekauft haben und dann teilweise noch Briefe schreiben an irgendwelche CO-Adressen, Mailbox Adressen.
00:27:53: Und gleich irgendwie hundert D-Mark in dem Brief legen damit du überhaupt auf eine Antwort hoffen kannst um dann zitiert zu werden zu deiner Session irgendwo wo dann vielleicht das Angeboten wurde worauf du Lust hattest usw.
00:28:06: Also das ist so ein siebziger, achtziger Jahre Dominanz bis sich das dann so ein bisschen etabliert hat mit Studios und bisschen mehr Service orientiert.
00:28:17: Und mittlerweile guckst du ja im Internet nach, kannst aus tausenden Profilen aussuchen.
00:28:22: Die ist das... die Person habe ich lustig, schreibe mal fünf E-Mails, gucke mal wer antwortet wie die Preise sind ob die das machen usw.
00:28:29: Also die Erwartungshaltung dieser ganze Industrie hat sich da halt auch so ein bißchen verändert.
00:28:34: Es ist wesentlich mehr offener geworden mit allen Vornachteilen, die dazugehören wo
00:28:39: Und weil du vorhin, also einmal ist es ja wahnsinnig stigmatisiert die ganze Sache und der ganzen Beruf.
00:28:47: Und genau das du halt vorhin gesagt hast Sexarbeiterinnen werden gar nicht auch irgendwie als Expertinnen wahrgenommen.
00:28:56: Das ist halt immer so ein bisschen schmuddelig die ganze Sachen in der gesellschaftlichen Wahrnehmung.
00:29:03: Also da wär jetzt einmal meine Frage, wie du damit umgehst und auch in deiner ganzen unternehmerischen Geschichte damit umgegangen bist.
00:29:12: Und was du sagen würdest, wo Sexarbeiterinnen sehr wohl Expert-Innen sind?
00:29:19: Ich mein also besonders bezogen auf den Beruf!
00:29:25: Wenn wir ein bisschen über Unternehmertum sprechen... auch der Frage stellen, also gerade nochmal sehr viel deutlicher als ich das Unternehmen dann alleine übernommen habe.
00:29:36: Wie sieht denn eine Unternehmensführung aus?
00:29:38: Und die ist in unserem Fall oder meinem Fall noch ein bisschen besonders weil nur zwei Teilzeitangestellte.
00:29:45: Die eine Person ist in der Kursorganisation beschäftigt, also Marketing-Orga von den Kursanbietenden.
00:29:52: Das sind die Angestellten, die ich habe und das ist das Klassische.
00:29:55: Das ist noch nicht mal so klassisch organisiert, weil ich da gar keine Lust drauf habe.
00:29:58: So dass es auch sehr viel Selbstständigkeit dahinter in der Arbeitsgestaltung.
00:30:03: Aber alle Kolleginnen hier bei mir arbeiten – das Team, das hier im Lux ist, also auch die Leute, die Honorarkräfte sind für die Kurse, oder die hier Teil des Pornekollaborativs sind und so weiter.
00:30:18: Das sind alles selbstständige Individuelle, und ich organisiere diesen Betrieb mehr wie ein Co-working Space allerdings schon mit einem Teamgedanken dahinter weil hier nicht wie in Co-Working Spaces jeder einfach rein latschen kann und arbeiten kann.
00:30:33: dazu ist das hier so wie es organisiert ist erfordert es doch sehr viel Teamwork weil hier sehr viel selbstständiges Arbeiten gefördert wird.
00:30:40: Also die Kolleginnen haben alle Schlüssel, die können in den Vierundzwanzig Sieben reihen und es gibt ein eigenes Buchungssystem.
00:30:46: Es gibt sehr transparente Abrechnungsmodalitäten – alle rechnen auch selber ab!
00:30:52: Das herrscht hier schon im sehr großes Vertrauensverhältnis untereinander.
00:30:56: Und diese klassische Boss-angestellten Struktur wie das Unternehmen sonst so üblich sind funktioniert hier nicht.
00:31:03: Das ist hier mehr so ein Hybridbetrieb, wenn ich das mal so sagen will.
00:31:07: Das heißt also einerseits musste ich sehr viel Gestaltung und Ideen, auch Soul-Searching betreiben um rauszufinden.
00:31:14: Wie will ich denn überhaupt in welche Form von Management will ich da reingehen?
00:31:19: Wie will ich kommunizieren mit den Leuten?
00:31:21: Ich kann mich ja auch entscheiden und sagen, so hier läuft der Hase.
00:31:24: Das sind die Regeln.
00:31:24: macht das oder du bist raus.
00:31:26: Dafür nehme ich aber alle, die hier anklopfen.
00:31:29: Oder ich kümmere mich um Teambuilding, Teamförderung, Interteam-Kommunikation also diese ganzen Angelegenheiten und Bildung und Weiterbildung, um die Qualität hier zu gewährleisten.
00:31:40: Und habe dann aber ein sehr viel engeres Miteinander wo die Leute auch sehr viel mehr mitsprechen dürfen und sich selbst sehr vielmehr verantwortlich fühlen sollen.
00:31:49: Die Frage war dann irgendwann auch kollektiv, ja oder nein.
00:31:53: Das war dann relativ schnell.
00:31:54: Nein, weil einerseits ganz viele Leute nicht die Möglichkeit hatten sich in so einen Kollektiv einzubringen dass es der Sache gerecht wird.
00:32:01: das heißt ich müsste schon wieder eine zwei-Klassengesellschaft aufmachen.
00:32:05: du bist kollektif mit Clid und du bist hier nur eingemietet.
00:32:07: Du hast was zu sagen und nicht Schwierig Regulatorisch gerade auch gar nicht so einfach möglich, weil ich eine Lizenz dafür benötige dieses Modellbetreiben zu dürfen.
00:32:19: Und wenn ich das so gestalten würde dass nicht ich der Boss oder das Management bin die Geschäftsführung habe sondern andere Personen da genauso gleichberechtigt mit entscheiden dürfen müsste jede dieser Person ihren eigenen Modell Betrieb genehmigen.
00:32:33: Das kostet mehrere hundert Euro dauert mehrere Monate und sobald die person ausscheidet wird die ganze Sache obsolet, unsere Arbeitslizenz ist weg.
00:32:42: Wir müssen dann quasi so lange ruhen bis das wieder aktualisiert ist oder wenn eine neue Person dazu kommt und bei der Fluktuation, die in unserer Branche üblich ist, ist es einfach nicht machbar.
00:32:52: Also einerseits ist es rupinitisch nicht gewollt oder nicht bedacht andererseits müssen wir uns dann auch erkennen überhaupt bei einem Kollektiv mitgestalten und wer kann sich das nicht leisten?
00:33:03: Nicht nur monetär sondern auch von der Energie, die man eindringen muss und von der Zeit.
00:33:08: Das heißt, die Hürden, die gestellt werden jetzt an dich zum Beispiel als Unternehmerin und Bordellbetreibern sind ja andere.
00:33:17: Als ein UnternehmerInnen, die nicht in der Sexarbeit tätig sind, nehme ich jetzt mal an Also
00:33:23: z.B.,
00:33:24: weil du ja auch meintest mit der Bürokratie, die dann nochmal extrabürokratisch ist Und auch noch einmal eine andere als für andere Unternehmerinnen.
00:33:34: Genau da wäre jetzt meine Frage Warum glaubst du?
00:33:36: Ist das so und was sind noch Hürden, die dir begegnen?
00:33:42: Ich glaube eine ganz grundlegende Antwort ist dass wir sehr viel zu kämpfen haben mit der Stigmatisierung, die uns entgegenschlägt.
00:33:51: Und damit meine ich nicht, wie armen Modellbesitzenden sondern damit meine alle Sexarbeitenden.
00:33:57: Das ist gesellschaftlich sehr tief verankert.
00:34:00: Es gibt Vorstellungen und Fantasien über Sexarbeitende Prostitierte und Huren
00:34:06: usw.,
00:34:08: die sich auch sehr tief in dieses gesellschaftliche Bewusstsein eingebrannt haben.
00:34:12: So weit sogar, dass die Betitelung unserer Snachwuchses eine sehr drastische Beleidigung ist.
00:34:18: Und das findet sich natürlich
00:34:21: nicht mehr
00:34:23: rein.
00:34:23: Hurensohn ist immer noch sehr beliebte Beleidingung.
00:34:29: Warum sollen die Kinder... von sechsarbeitenden, besonders schlechten Menschen sein.
00:34:35: Und das ist natürlich dieser Gedanke, der dahinter steckt.
00:34:37: Impliziert natürlich, Huren sind schlecht für die Gesellschaft und die Menschheit, für alle aus dem Rom.
00:34:42: Sie tun schlechte Dinge, sie sind schmutzig.
00:34:44: Sie machen von Stehlen über unsere Männer verführen Abwerten.
00:34:50: Das nennt man Sechsarbeitsfeindlichkeit.
00:35:02: Horphobia bedeutet auf Deutsch Sexarbeitsfeindlichkeit und beschreibt kein individuelles Vorurteil, sondern ein strukturelles Muster.
00:35:11: Die Soziologin Gail Peterson hat gezeigt wie tief es verankert ist in Gesetzen die sexarbeitende Kontrollieren statt zu schützen In Medienbildern, die Schmuddeligkeit inszenieren In der Sprache, zum Beispiel im Wort Schlampe als Beleidigung.
00:35:26: Im Begriff Hurensohn als schlimmste Beschimpfung.
00:35:29: Studien zeigen, Sexarbeitende erfahren überproportional häufig Gewalt und erhalten seltener Schutz durch Behörden.
00:35:37: Sexarbeitsfeindlichkeit trifft aber nicht nur Sexarbeitene.
00:35:41: Sie trifft jede Frau deren Sexualität als zu viel
00:35:44: gilt.".
00:35:46: Nicht nur das, sondern da gehört noch sehr viel mehr dazu!
00:35:49: Da schlägt immer eine große Diskriminierung gegenüber.
00:35:52: Dann haben wir einerseits dieses gesellschaftliche Bild und andererseits eine Politik oder Bürokratie, die gerne regulieren möchte.
00:36:00: Der Antwort ist immer, wenn irgendetwas nicht so ist wie sein soll, dann regulieren wir das irgendwie.
00:36:05: Und mitunter vermischt sich das zu sehr unguten Verhältnissen.
00:36:10: Wir finden uns jetzt gerade in einer Situation wieder, dass einerseits Leute gute Absichten haben im Sinne, wir müssen alle schützen.
00:36:18: Aber wenig Ahnung von der Branche auf Leute hören, die noch weniger Ahnung haben aber Agenda und irgendetwas auch rechtlich konstruieren wollen das verfassungsmäßig funktioniert und irgendwie umgesetzt werden soll.
00:36:35: Und daraus passieren dann bürokratische Monster!
00:36:39: Ich bin mir sehr sicher dass da jetzt Teilhämende von anderen Berufsgruppen auch nicken und sowas auch kennen, die mit irgendwelchen komischen Regulierungen zu tun haben, die überhaupt gar keinen Sinn ergeben... Das ist für uns extrem so weil wir zwar irgendwann mal pro forma angehört worden sind bei irgendwelchen Anhörungen, aber in diese Gestaltung des gesetzgeberischen Prozesses.
00:36:59: nicht eingebunden werden als Expertinnen.
00:37:01: Was anders ist in anderen Berufen, wenn ich Agrar regulieren möchte irgendwie dann sitzen da Landwirte am Tisch, dann sitzen die großen Interessensvertreter mit am Tisch die aktiv den Gesetzgebungsprozess mitgestalten.
00:37:12: Wir wurden einmal eingeladen durften aber sagen tschüss jetzt war dir das Hacking abgekratzt.
00:37:17: man klopft sich auf die Schultern und sagt wir haben ja allen zugehört jetzt machen wir trotzdem unser eigenes Ding.
00:37:22: also da findet es sich auch wieder diese Diskriminierung.
00:37:25: Jetzt haben wir ein bisschen so einen Bürokratiemonster namens Prostitierten-Schutzgesetz, das einerseits gute Absichten hat andererseits aber auch schlechte Absichten mit verwoben hat.
00:37:35: Mit einem Haufen von Regularien die sinnlos beschädlich sind.
00:37:42: Also es gab jetzt erst letztes Jahr einen großen Evaluierungsprozess des Gesetzes... Das ist ein Evaluationsbericht, den kann man sich auch runterladen und durchlesen.
00:37:50: Der ist relativ sorgfältig durchgeführt worden, der das so auch widerspiegelt.
00:37:55: Also das denke ich mir nicht nur aus eigener Erfahrung aus, sondern das ist tatsächlich die Forschung bestätigt also.
00:38:01: Kann man sich natürlich auch mal bitte lesen das durch?
00:38:03: Das sind nur dreihundert Seiten!
00:38:08: Da wurde leider halt auch sehr schlecht aufgearbeitet.
00:38:09: Die Information nach außen war jetzt nicht besonders gut so aber... Das ist, wie es ist so.
00:38:14: Und dass das halt die Situationen variants finden.
00:38:16: und innerhalb diesen bürokratischen Monsters wurde irgendwie übersehen vielleicht auch per Design Sexarbeitende zu ermächtigen oder es einfacher zu machen, dass sie sich außerhalb dieser vorgefertigten Modellstrukturen bewegen und quasi ihre eigenen unabhängigen kleinen Betriebe machen.
00:38:40: Im Gegenteil, die wurden sogar mehr oder weniger abgeschafft.
00:38:44: So ein bisschen durch die Hintertür durch Brandschutzregularien und städte baurechtliche Planungen usw.
00:38:50: Das ist also nicht einfach, ein Modell aufzumachen.
00:38:56: Es dauert unendlich lange, weil die Behörden überfordert sind.
00:39:00: Es gibt Tausende von Vorgaben, die auch nicht transparent kommuniziert werden und die immer noch einen Schippchen drauflegen auf diese Anforderungen.
00:39:10: Entweder isst man wirklich eisern und sturr und beißt sich dadurch ... Wenn man das auch leisten kann... Oder man ist ein sehr großer Betrieb mit sehr viel Geld in der Hinterhand, mit einer eigenen Rechtsabteilung.
00:39:23: Die dann wirklich Leute beschäftigen können und das sind natürlich dann wieder so Brosse die da halt auch drin sind um halt viel Geld abzuschöpfen.
00:39:30: also diese alternativ geführten Betriebe kleinbetriebe Konklimerate von sechs Arbeiten zusammenarbeiten haben es gerade extrem schwer.
00:39:40: Und das heißt du hast dich durchgebissen?
00:39:43: Ja so'n bisschen!
00:39:44: Also das war... Jetzt hören ja alle zu, jetzt kann ich auch wieder nicht alles sagen.
00:39:51: Aber es war natürlich schon so ... Wir hatten ... Also, im Jahr zweitausendfünfzehn bei der Eineladen aufgemacht und da krifft das also das Prosentiertenschutzgesetz kam erst zwei tausendsehntin.
00:40:01: Das heißt also, da gab's schon Laden, dass der war auch schon damals noch leichter angemeldet Und auch schon betrieben und quasi auch schon behördlich etabliert bevor dieser ganze Genehmigungsprozess kam Und den zweiten Laden dazuzunehmen, das war im Jahr zwei Tausend achtzehn und diesen kompletten Genehmigungsprozess zu durchlaufen.
00:40:23: Wir haben es dann ein bisschen so mit Absprache, dass ist quasi eingeschäft.
00:40:27: Das ist auch immer noch eingeschäft.
00:40:28: Es sind also nicht zwei verschiedene Studios mit zwei verschiedenen Dingen sondern das ist ein Laden quasi mit zwei Filialen.
00:40:35: Das war halt auch ein bisschen anspruchsvoll, das zu kommunizieren Handlungsausschrift, wenn so ein Gesetz frisch kommt.
00:40:42: Weißt da keiner wie das umzusetzen ist?
00:40:43: Und dann ist egal was du da fragst immer die erste Frage, die zu dem Thema jemals gehört haben und das habe ich halt auch eiskalt ausgenutzt und hab gesagt hey so sieht's aus!
00:40:52: So stelle ich mir das vor und dass wir noch eine smarte Lösung mit wenig Arbeitsaufwand für euch auch.
00:40:56: und es hat dann auch geklappt.
00:40:58: Das war auch so bei Witten.
00:41:01: Also das ist schon alles gerade und kurze, aber ich habe halt schon relativ deutlich vorgeschlagen, dass das so ne gute Idee ist und konnte da wohl überzeugen.
00:41:09: Also das lief halt auch mit dem Notrufsystem zum Beispiel.
00:41:12: Wir müssen jetzt alle so ein Notrufsystem installiert haben und dann sagen die aber nicht, was für andere Forderungen dieses Notruulsystems haben muss?
00:41:21: dass da hier Wachschutz sitzen muss, das kann sein, dass hier ein Knöpfchen reicht.
00:41:26: Das sagen die einem nicht.
00:41:27: Die sagen stattdessen, tag sie uns mal was vor und wir genehmigen es dann oder halt auch nicht so.
00:41:34: Und dann habe ich halt natürlich erstmal geforscht und ich hab natürlich als System vorgeschlagen, dass halt bezahlbar ist, einigermaßen sinnvoll ist aber hoffentlich von den Behörden genehmigt werden kann.
00:41:44: Das hat auch geklappt, das haben die so anerkannt.
00:41:46: Und dann habe ich denen gesagt, aus den Gründen habe ich dafür entschieden, darum funktioniert es, dass ist der Ablauf und... ...das ein großer Faktor halt auch war, das kostet nur sechzig Euro im Monat und nicht irgendwie dreitausendfünfzig für einen Wachtmann, der da sitzt oder muss sich Öffnungszeiten haben.
00:42:00: War natürlich schon für mich auch ein ausschlaggebender Faktore Und für unseren Betrieb funktioniert so eine kleine Lösung auch deutlich.
00:42:08: So gesagt, wir sind kein Laufhaus mit Öffnungszeiten wo die Leute sich per Eintritt befinden sondern wir sind ein Terminbetrieb also sich wirklich wie nur mit einem Terminkommen und von vorne bis hinten betreut werden.
00:42:20: Also da ist nichts irgendwie.
00:42:21: somit Die Gefahrenlage in der Risikolage ist eine ganz andere.
00:42:25: Das ist halt bürokratisch nicht so vorgesehen dass da differenziert wird.
00:42:28: das heißt sie waren halt auch ein bisschen überfordert.
00:42:31: Okay, aber gut wenn du dann das System oder auch nicht vorhandene System für dich nutzen kannst.
00:42:37: Was würdest du sagen was du bei deiner... Also einmal zurück zu dieser Expert-Innenfrage?
00:42:45: Sexarbeiterin werden gesellschaftlich nicht wirklich als Expertinnen betrachtet.
00:42:51: genau wie du damit umgehst und was du da sagen würdest zum Expert innen tun Und auch inwieweit dir das oder was du in deiner Sexarbeitshistorie gelernt hast, dir jetzt auch nützt?
00:43:08: In deiner unternehmerischen Arbeit.
00:43:10: Brechen wir das mal so ein bisschen runter, was Sexarbeiterinnen eigentlich machen?
00:43:14: Das ist ein direkter Kundenkontakt.
00:43:16: Direkte Kundenkondakte haben immer etwas mit Verhandlungen zu tun, die haben immer was mit Kommunikationen zu tun Und in unserem Fall mit einer sehr erotischen, intimen Kommunikation und auch immer mit der Navigation von unterschiedlichen Erwartungen und einer ganz klaren Setzung von Grenzen.
00:43:33: Das ist bei jeder Form von Sechsarbeit so – egal ob die Person Straßenbasiert arbeitet oder im klassischen Modellbetrieb ist Laphobiel arbeitet und so weiter und sofort.
00:43:43: Diese Bereiche der Kontaktaufnahme, der Kommunikation, der Verhandlung, der Abgrenzung und der Preisgestaltung – das haben wir alle!
00:43:52: Wir haben auch alle... Auf die eine oder andere Form, eine Gestaltung einer selbstständigen Tätigkeit mit allem was dazugehört.
00:44:01: Geld geht rein, Geld geht raus.
00:44:02: das muss sich alles also zumindest so.
00:44:04: ne ganz primäre Form von der wirtschaftlichen Rechnungsfähigkeit ist da je nach Arbeitsplatz ganz unterschiedlich.
00:44:10: Also die Kolleginnen die nebenbei noch OnlyFans betreibt Content macht in der Porno bräuchttätig ist, hat nochmal ganz andere kommunikative Fähigkeiten und ganz andere Kostenrechnungen als jemand der Trammer die Woche ins Modell geht und sonst irgendwas anderes macht.
00:44:24: Das sind nochmal andere Faktoren.
00:44:27: Also das sind auf jeden Fall schon mal ganz deutliche Skills, die wir alle mitbringen.
00:44:31: dann geht es auch immer darum wie kriegen wir unsere Zeit verhandelt?
00:44:35: Wie kriegen wir unseren Arbeitszeiten hin?
00:44:37: weil wir sind immer gefragt Teilweise kommen, wenn ich meinen Telefon, mein extra Telefon nicht am Wochenende oder nachts ausschalte, kriege ich ständig Anrufe von Leuten die bitte jetzt sofort und so weiter.
00:44:49: Das ist auch in unserer Tätigkeit zu drinnen.
00:44:52: Für die Leute ist das eine persönliche intime Dienstleistung.
00:44:55: Die kriegen das nicht unterschiedend zwischen.
00:44:57: Ich treff jetzt ein Date und ich suche mir jetzt eine Dienstleistungen!
00:45:00: Das verknüpft sich für viele unserer Gäste.
00:45:02: Klar es ja auch ne sehr intime Geschichte.
00:45:06: Ich sag jetzt nicht, dass alle Sexarbeiten-Therapeutinnen sind oder Sexarbeit immer eine Superheilungsgeschichte ist wie das manchmal irgendwie so durch Social Media geht.
00:45:12: Das ist für manche bestimmt so!
00:45:14: Für alle überweihten nicht aber wir übernehmen schon sehr viel dieser erotischen Therapiarbeit.
00:45:21: nur teilweise haben ja sehr viele Wissensvermittlungen über eine gewisse Art von Sexualität.
00:45:25: Safer Sex die Übertragung von sexuell übertragbaren Krankheiten Wie kommuniziere ich das auch mit den Leuten?
00:45:33: Wie erkenne ich diesen ganzen Kram und wie kriege ich das jemanden bei.
00:45:39: Teilweise muss man ja erwachsenen Menschen antragen, wie sie ihren Schniedel zu waschen haben oder wie Sie sich überhaupt sexuell äußern oder erotisch äußeren.
00:45:49: also das ist eine ... Wie oft sitze ich hier in einem Vorgespräch und hab mit Menschen zu tun die mir dann erzählen, dass das das erste Mal in ihrem fünfundsechzigjährigen Leben ist.
00:46:01: Dass sie sich über ihren King unterhalten dürfen und auch trauen und überhaupt jetzt auch langsam mal die Worte finden so oder überhaupt mal also auch in Full-Service Arbeit, also ohne King
00:46:11: usw.,
00:46:12: wenn sich Menschen dann überhaupt erst einmal über ihre erotischen Bedürfnisse klar werden.
00:46:17: Also ganz viel unserer Sexualität funktioniert ja einfach so.
00:46:22: Und Leute reden da nicht sehr viel darüber Ruckab-Culture und man trifft sich, dann macht man da irgendwas zusammen.
00:46:30: One Night's Dance oder auch in langjährigen Beziehungen wird sehr viel weniger über Sexualität gesprochen als bei uns.
00:46:36: Da bringen wir auch Experten ein bisschen mit über diese ganze Form von Kommunikation Die selbst schlinger die person arbeitet umso mehr marketing.
00:46:44: wissen hat sie auch.
00:46:45: es reicht heutzutage nicht mehr ein profil auf einer webseite zu haben und schon oder eine kleinern zeige irgendwo zu schalten Und schon wirst du gebucht bis zum umfallen.
00:46:54: Du brauchst Marketing Kundenkommunikation im voraus machen so und das ist das ist doch nicht jede Person die sich anschreibt als kunde Ganz im Gegenteil.
00:47:05: Jede Person, die ich anschreibe ist erst mal kein Kunde.
00:47:07: Davon kommt dann vielleicht einer von zehn oder so.
00:47:10: Es hat echte Absichten und so weiter.
00:47:13: Also das sind erstmal diese ganzen ... Dieser Schatz an Wissen den Sexarbeitenden auch mitbringen.
00:47:19: Und teilweise halt sich auch unbewusster arbeiten.
00:47:22: Es gibt ja nicht in anderen Berufen vorgeschriebene Stände, Idee von wir müssen jetzt eine Ausbildung machen.
00:47:30: Dann gibt's ein Zettel dafür und zertifikat.
00:47:32: und ohne darfst du nicht?
00:47:33: Weil bist du nichts aus gutem Grund?
00:47:36: Und ich finde das auch gut so!
00:47:38: Ich finde nicht dass man Sexarbeit hinter einer Hürde verstecken sollte weil die Leute machen ist so oder so?
00:47:44: mir geht es eher darum Leute zu professionalisieren die irgendwie Sexarbeit machen um das auf mehr freiwilligen Basis.
00:47:51: also zwang hat da nie irgendwas damit zu tun Auch nicht bei der Wissensvermittlung an Kolleginnen.
00:47:58: Trotzdem ist da ein großes Wissen vorhanden, sonst hält man sich auch nicht.
00:48:02: Das hat sehr viel zu tun mit persönlicher Resilienz und der Möglichkeit, sich abzugrenzen.
00:48:07: Das ist eine intime herausfordernde Tätigkeit.
00:48:10: Und die Leute möchten einen intimen Kontakt von dir.
00:48:14: So!
00:48:14: Und das kann ich nicht einfach nur auf die Dienstleistungsebene schieben.
00:48:23: Die Soziologin Ali Hochschild hat in den Begriff Emotional-Labor geprägt.
00:48:31: Gemeint ist die Fähigkeit eigene Gefühle zu managen, um nach außen eine bestimmte Wirkung zu erzeugen – zum Beispiel Ruhe ausstrahlen und Präsenz schenken auch wenn man selbst gerade etwas braucht.
00:48:44: Das findet sich überall wo näher Teil des Jobs ist, zb in der Pflege, der Pädagogik, der Therapie oder in der Sexarbeit.
00:48:52: Diese Arbeit wird selten als Arbeit anerkannt!
00:48:54: Trotzdem ist sie messbar.
00:48:56: Studien zeigen erhöhtes Burnout-Risiko bei dauerhaft hoher emotionaler
00:49:16: Arbeit.".
00:49:25: Also es ist ja unser Thema, dieses transgenerationale Erbe.
00:49:29: Jetzt in unserem Fall weiblicher Sexualität und du hattest das auch gerade so ein bisschen angesprochen also über Kinks wie über Kings gesprochen wird usw.
00:49:40: Und was siehst Du da?
00:49:42: Was sich jetzt verändert hat in den letzten Jahren oder auch Jahrzehnten vor allem im Bezug auf Kings und darüber sprechen, dass ausleben...
00:49:52: Also einmal ist King sehr viel mehr in der Gesellschaft angekommen und das finde ich auch gut.
00:49:57: Kings gab es auf die eine oder andere Form schon immer, also auch schon so eine sehr lange, lange Tradition.
00:50:03: Die wurden halt auch nur mehr oder weniger geächtet und ausgegrenzt teilweise in Deutschland sogar soweit dass die Leute als büchisch krank detoniert worden.
00:50:12: Ich habe mich vor vielen Jahren mal mit einem sehr alten Latex für die Schisten unterhalten.
00:50:16: Eine sehr, sehr schlimme Verfolgungsgeschichte hatte der Taberseleik.
00:50:20: Also ich glaube da war ein Jahr oder so in der Psychiatrie weil die Nachbarn ihn in seinem Zuhause in seinem Gummianzug erwischt haben
00:50:27: und er
00:50:27: quasi als Pervers verfolgt wurde.
00:50:30: und ja also tragische Geschichten.
00:50:33: Und das ist mittlerweile nicht mehr so dass der Hang zu King zu Fetischen die Neigung zu SM und auch die Lust darauf und dieses Experimentieren damit so down-gecraded wird zu irgendeiner Form von Pathologisierung.
00:50:48: Das ist sehr viel mehr und sehr viel stärker in unserer Gesellschaft angekommen.
00:50:51: Wir sind auch sehr viel bereiter, auch in der Sexualität über Machtverhältnisse, Tere, Dynamiken usw.
00:51:00: zu sprechen und das auch lustvoll zu erforschen und damit zu experimentieren.
00:51:05: Wir sind sehr viel breiter gesellschaftlich jetzt auch Schmerz zu erforschen oder auch die Lust am Schmerzen oder auch Die Lust am Fetisch an bestimmten Materialien Die Lust Am Rollenspieler hat alles sehr viel mehr Platz Und das finde ich gut dass wir diesen inner Rententeil unserer Sexualität je nach Neigung mal mehr Mal weniger jetzt auch ausleben dürfen und dafür Räume haben.
00:51:28: Da geht nämlich immer einher, es gibt Kommunikation drüber Es gibt Information drüber.
00:51:33: Es gibt einen Wissens-Austausch drüber Das ich damals angefangen habe SN zu entdecken gab's schon die ersten großen Chats und die ersten Großen vorhin wo man sich dann registrieren konnte und Gleichgesinnte getroffen hat.
00:51:46: gleichzeitig gab's aber halt auch sehr viel Misinformationen und das konnten sie Täter ternen und diese Unwissenheit über diese Dynamiken ausnutzen.
00:51:56: Das ist heutzutage nicht mehr so einfach möglich, weil die Leute sehr viel aufgeklärter sind.
00:52:01: Weil die Leute besser Bescheid wissen was eine Top-Dynamik, die gesund ist, was eine Subdynamik toxisch ist?
00:52:08: Wie passt das Patriarchat daran, wie passt Kapitalismus da rein?
00:52:13: Wie können wir das feministisch ausleben?
00:52:19: Nicht benähernd gender Identitäten.
00:52:22: Wie leben wir uns da aus so?
00:52:23: was können wir hinterfragen?
00:52:24: Was funktioniert, was funktioniert nicht?
00:52:26: und diese Idee dieses echten wahren sm aus dem goldenen sm Handbuch das im keller Dungeon ist wo man nicht lachen darf Die es Gott sei dank langsamer sie klappt sich immer mehr zu Und wird öffnen dass sehr viel besser und das finde ich extrem positiv
00:52:44: würdest du sagen, weil unsere These ist, dass ganz viele Dinge in der Sexualität nicht aufgearbeitet wurden von den Generationen vor uns.
00:52:56: Beziehungsweise wenn es aufgearbeitet wurde, dass die Leute, die jetzt in unserer Generation sind schon sehr viel weiter sind als so der Großteil der Generation und dass du auch diese Aufarbeitung mitbekommst über die Zeit?
00:53:11: Da würde ich jetzt ein solides Teilweise antworten!
00:53:14: Sehr gut.
00:53:16: Einerseits, ich denke dieser Zugriff auf Information und dieser laterale Austausch auf Augenhöhe der uns allen möglich ist also dieser Zugang zu einer sehr soliden vielfältigen Menge an Informationen ist unglaublich förderlich und den hatten Generationen vor uns so nicht.
00:53:35: Also damals musstest du noch in die Bibliothek gehen oder vielleicht irgendeine Schrift eines Arztes irgendwo lesen oder es wurden unter der Hand getruckte, teure Bücher oder schwer erhältliche Bücher irgendwie ausgetauscht und man hat sich dann auch vielleicht noch so heimlich darüber unterhalten.
00:53:50: Und jetzt findest du große Konkresse online vor und Workshops links rechts überall.
00:53:54: Man kann selbst Erfahrungs-Trips machen.
00:53:56: im Internet findet sich alles.
00:53:58: es gibt riesige Bibliotheken voll mit SM und King.
00:54:01: also der Zugriff zu diesem Wissen und dieses Sicht damit auseinandersetzen hat sich sehr erleichtert.
00:54:07: das heißt wir haben schon mal einen ganz harten Headstart.
00:54:11: Die heutige Kindergeneration kann mit Social Media und mit elektronischen Geräten auch so viel besser umgehen als die heutigen fünfzigjährigen.
00:54:19: Wieder, no shade!
00:54:20: Mit selber dem Alter.
00:54:21: Aber... Und ich denke bei Sexualität und Kink ist das ähnlich.
00:54:26: Gleichzeitig isst mancher Kink nicht aller.
00:54:30: Mancher Kunk auch tatsächlich vielleicht Trauma induziert.
00:54:36: Ähm ...
00:54:38: profitiert natürlich von dieser Aufarbeitung zwischen den Generationen.
00:54:44: Und kann dann noch mal sehr viel genauer angeguckt werden, gerade wenn sich da so... Erlebte Abhängigkeiten, erlebte Missbrauchssituationen aus dem Elternhaus oder durch andere Autoritätspersonen in den Kink dann quasi hineintransportieren und sich dort dann hervorbrechen um so ein Persönliches erarbeiten auch irgendwie möglich machen.
00:55:05: So eine Form von Selbstermächtigungen, Re-Enactment usw.
00:55:10: Ich würde aber nicht sagen das trifft auf allen SM zu weil ich nicht denke dass jeder Kink und jeder Fetisch Trauma induziert ist Wir aber trotzdem als SM-Praktizierende, also privat und beruflich wir trotzdem traumasensibel arbeiten sollten.
00:55:25: Ja.
00:55:30: King Trauma & Reanactment.
00:55:33: In der Traumapsychologie beschreibt Rean Actement die unbewusste Wiederholung von Erfahrungen in dem man Kontrolle verloren hat – diesmal mit einem entscheidenden Unterschied!
00:55:43: Man wählt den Rahmen setzt die Grenzen und bestimmt das Ende.
00:55:47: Das kann sich in Kink zeigen.
00:55:49: Wer früh Ohnmacht erlebt hat, kann im konzentuellen Machtspiel etwas Heilsames finden, indem das selbe Thema neu verhandelt wird – aber nicht jeder Kink hat ein Traumanteil!
00:56:00: Kink kann einfach neugier sein Ästhetik und oder Lust am Spiel.
00:56:04: Der Unterschied liegt nicht im Inhalt der Fantasie sondern darin ob sie Freiheit gibt oder festhält.
00:56:13: Was ich mir jetzt gerade noch dachte, weil du ja auch ganz viel darüber gesagt hast sich quasi irgendwie selbst zu empowern und enablen usw.
00:56:23: Und eine meiner Fragen bezog sich ja auf den feministischen Aspekt bei der Sexarbeit und dass es glaube ich oft eher konträr zueinander gedacht wird.
00:56:37: also Sexarbeit ungleich Feminismus.
00:56:41: Gehst du damit um, wie positionierst du dich und was würdest du sagen so insgesamt?
00:56:46: Also wenn du jetzt sage ich mal für die Sexarbeit insgesamt sprechen müsstest.
00:56:52: Wie die Sex-Arbeit sich da positioniert.
00:56:55: Und ist es auch großes Thema oder ist das gar nicht so ein großes Thema?
00:57:00: Also Sexarbeit ist ein... Wenn wir also Sex und Arbeit arbeiten zum Lohnerwerb da und zur Gestaltung eines Lebensunterhaltes.
00:57:15: Das ist ein Beruf Tätigkeit, die es nicht inherent antifeministisch genauso wenig wie eine Bäckerin inherend antifiministisch ist weil sie für einen Bäcker erarbeitet oder männliche Kunden bedient.
00:57:29: Ich finde diese Gegenüberstellung auch schwierig, so entweder Feminismus oder Sexarbeit.
00:57:32: Das ist es so nicht!
00:57:34: Wir können uns überlegen wie wir Sexarbeit mit einem feministischen Gedanken gestalten?
00:57:39: Wir können.
00:57:40: viele Sexarbeitende befinden sich in der Sexarbeit weil sie in diesem patriarchisch-kapitalistischen System entweder keine andere akzeptabel oder gar keine andere Möglichkeit haben selbstbestimmt ein Lebensunterhalt zu erwirtschaften oder zu erarbeiten und sich sehr genau aussuchen, welche Formen der Abhängigkeit für sie akzeptabel ist.
00:57:59: Mit Abhängigkeiten meine ich die Abhängheit davon Geld zu erwirtschaften weil es kein Sozialsystem gibt doch dass Sie Zugriffe haben.
00:58:06: wir müssen da schon sehr differenziert darüber reden.
00:58:09: Grundsätzlich kann ich auch gar nicht für alle sechsarbeitende sprechen.
00:58:13: dazu ist das die Masse an sechsarbeiten viel zu heterogen.
00:58:16: Das ist wie wenn ich als Restaurants Besitzerin sprechen wollen würde für komplett alle Arten von Restaurationsbetrieben auf der ganzen Welt.
00:58:26: Da muss ich ja auch unterscheiden, weil ein Hotelbetrieb hat andere Voraussetzungen als die Innensbude an der Ecke.
00:58:31: Das ist in unserer Branche auch so und es gibt ganz viele unterschiedliche Menschen, die sich in der Sexarbeit betätigen von Karriereristen über Leute, die sie leben bei was verdienen, über Drogen gebrauchene Leute, ganz unterschiedliche Anforderungen auch stellen und ganz unterschiedlicher Arbeitsweisen haben.
00:58:48: Ich kann nur aus meiner Perspektive reden.
00:58:50: Sexarbeit als feministisch oder nicht feministisch zu bezeichnen ist, der falsche Ansatz.
00:58:57: Wie ich die Arbeit mache und wie ich die Arbeiten ausgestalten kann durchaus feministisch sein?
00:59:02: Und ich finde es auch viel zu einfach wenn manche Feministinnen das sind ja auch bei Weitem nicht alle Die meisten Feministen sind in der Lage zu verstehen dass Kehrarbeit und ganz oft wird Sexarbeit zur Kehrarbeiten zugezählt Aus guten Gründen die auf nachvollziehbar sind Das Kehrarbeit in einem kapitalistischen System gewissen Zwingen unterworfen ist, aber auch feministisch ausgestaltet werden kann und nicht nicht feministisch ist.
00:59:29: Und das ist erstmal wichtig zu verstehen!
00:59:31: Wenn ich mich jetzt hinstelle und sage naja die Hure ist schuld dass der Wert der Frau so schlecht bewertet wird dann sag' ich das es Täter-Opfer umkehrt.
00:59:38: die Hüre ist nicht schuld.
00:59:39: Schuld ist ein patriarchisches System.
00:59:44: Stimmte Art und Weise bewertet, die Arbeitskraft von Frauen grundsätzlich oder die Wertigkeit von Frauen.
00:59:49: Grundsätzlich abwertet vor allem wenn es um Sexualität geht.
00:59:54: Und dann flutscht nämlich dieses ganze Argument in sich zusammen.
01:00:00: Dann denke ich mir halt auch so ja liebe feministische Kollegen deine Solidarität hört auch an deiner Nasenspitze auf.
01:00:08: du suchst dir lieber du fällst auf dieses Strohfeuer dieser paternalistischen Projektion herein und machst hier Krabenkämpfe auf wo keine sind.
01:00:19: eigentlich sollten wir zusammenkämpfen.
01:00:21: Und dieser Sexualität oder diesen Frau sein, oder diesem erotischen Wert auch unsere Arbeitskraft.
01:00:28: also wir sollten das nochmal ganz anders gemeinsam verhandeln und unsere eigenen Wertigkeiten festlegen und die nicht abhängig machen davon was andere Männer darüber denken.
01:00:36: Das ist jetzt aber auch eine Diskussion.
01:00:38: ich möchte noch mal betonen Ich schließe in die Sexarbeit Alle Formen von Identität und Geschlecht mit ein.
01:00:44: Es gibt alle Formen vom Menschen, die in der Sexarbeit tätig sind, die wir zu gerne vergessen.
01:00:49: Wir schieben das auch immer sehr gerne in so eine Dichotomie von Mann-Frau Und die Frau ist die Person, die Sexarbeit macht.
01:00:54: In dem Mann ist die Personen, die sexarbeit in den Einspruch nimmt.
01:00:57: Das ist größtenteils immer noch so aber es bricht sich immer mehr auf und das dürfen wir nicht vergessen.
01:01:03: Okay.
01:01:07: Mit Blick auf die Zeit, wer jetzt?
01:01:08: meine Frage, ob es noch irgendwas gibt was wir jetzt noch gar nicht besprochen haben oder angesprochen haben?
01:01:16: Was du gerne noch loswerden möchtest und wichtig findest?
01:01:19: Also das gibt unglaublich viele Themen, die ich natürlich immer alle noch gerne unterbringen wollen würde weil der Thema ist einfach unglaublich komplex.
01:01:27: Die Zeit und auch deine und eure Reichweite zu formulieren an alle.
01:01:38: An die Gesellschaft, genau!
01:01:39: Ich appelliere an die Gesellschaft Es ist gerade eine sehr, sehr ungutgeführte Debatte im Gang, die dazu dient, Sexarbeit wieder zurückzudrücken aus dieser mit Rechten versehenden einigermaßen legalen Tätigkeit in eine sehr viel abhängigere Ecke unter dem Vorwand der Befreiung der Frau.
01:02:07: Wer von euch sich auf Social Media und in diversen Medien rumtreibt, weiß dass der Ton sechsarbeitenden gegenüber sich sehr stark verschärft hat, sechsarbeitsfeindlichkeit sehr viel mehr Oberhand nimmt und quasi schon so zum gesellschaftlichen Konsens geworden ist.
01:02:25: Und ich appelliere alle daran die heute zugehört haben oder sich grundsätzlich auch mit Sexarbeit in irgendeiner Art und Weise, in den Medien irgendwie in Kontakt kommt.
01:02:34: Bitte informiert euch tiefergehend als diese emotional aufgeladenen oft anklagenden simplifizierenden Vorschläge zur vermeintlichen Lösung die gemacht werden.
01:02:49: Die Frage, die man sich stellen muss.
01:02:50: also mir ist es wichtig zu sagen Es ist mir völlig wurscht ob Leute sagen ich mag Sexarbeit oder ich mag sie nicht Ich würde's selber machen oder ich würde das nicht machen.
01:02:58: Das ist nicht die Frage.
01:02:59: Die Frage ist, Menschen machen Sexarbeit aus den allerunterschiedlichsten Gründen und ich kann, muss die Gründe auch nicht gut finden?
01:03:07: Aber bemüht euch bitte darum erst mal herauszufinden was würde denn den Menschen, die aus einer problematischen Situation in die Sexarbeit gehen tatsächlich helfen
01:03:17: als
01:03:18: zu sagen wir verbieten Sexarbeit oder wir verbiten nur das kaufen oder das bezahlen für Sexarbeit.
01:03:23: Unter dem Strich dasselbe ist es netter formuliert so Eigentlich ist das die Problematik, die Menschen mit der Sechsarbeit haben.
01:03:30: Die auch in eine Form von Abhängigkeitsverhältnis kommen.
01:03:33: genau das.
01:03:33: Da muss es schnell!
01:03:34: Geld gemacht werden, aus Gründen eines mangelnden Zugangs zu einem Sozialsystem.
01:03:39: Aus Gründen zum mangelnder Zugang zu bezahlbaren Wohnraum.
01:03:43: Aus Kunden zu einer ungenübenden Drogenpolitik.
01:03:46: Zu einer ungelügten Unterstützung von Alleinerziehenden.
01:03:50: Zu der ungenügen Unterstützung von Menschen die pflegen.
01:03:53: Von Menschen, die sichtbare und unsichtbare Behinderungen haben.
01:03:57: Alle diese Menschen tummeln sich auch in der Sexarbeit weil wir hier eine informelle Form der Lohnarbeit haben, in die man relativ schnell einsteigen kann.
01:04:11: seine finanziellen Nöte ausklammern kann.
01:04:14: Also man kann sehr schnell zumindest genügend Geld verdienen und trotzdem noch genug Zeit hat, um seine Kinder zu pflegen, sich mit seiner Familie zu kümmern, sein Studium zu finanzieren usw.
01:04:26: Wenn ich also möchte dass Leute nicht in der Sexarbeit tätig sind außer wenn sie das wirklich unbedingt wollen muss ich die Ursachen adressieren.
01:04:35: Und die Ursachen sind sehr viel komplexer als wir müssen Sexarbeit verbieten oder das bezahlen.
01:04:39: Die Ursachen sind, wie ist das mit dem Familiennachzug bei Immigration?
01:04:44: Wie ist es mit der Möglichkeit der sozialen Absicherung in den Herkunftsländern.
01:04:49: Warum sind diese Länder so armen?
01:04:50: Warum ist es so viel attraktiver nach Deutschland zu kommen unter schlechten Bedingungen zur Arbeit und immer noch mehr Geld zu verdienen?
01:04:55: Warum können wir drogen gebrauchene Menschen nicht unterstützen?
01:04:59: Obdachlose Menschen nicht unterstützen.
01:05:01: Warum schaffen wir es nicht, Perspektiven zu bieten für alleinerziehende Menschen?
01:05:05: Für Menschen die pflegend sind, für Menschen die behindert sind?
01:05:09: und das sind alles Fragen, die sehr viel komplexer sind Und die kosten teilweise.
01:05:13: deren Antwort ist komplex und deren Antwort isch unbequem und deren antwort kostet Geld dass Die gesellschaft nicht bereit ist zu investieren.
01:05:23: und mein appell Bitte informiert euch und bitte überlegt, ob das was ihr da vorgekaut bekommt.
01:05:31: So ist es tatsächlich sinnvoll!
01:05:34: Darüber könnt ihr euch in dem ihr euch mit sechs Abartiten unterhaltet, ihre Vorträge besucht, Ihre Schriftstücke lest.
01:05:41: also ich kann auch.
01:05:42: darf ich eine Buchempfehlung
01:05:43: machen?
01:05:43: Ja wollte ich gerade sagen... Ich empfehle
01:05:45: allen Ganz tolles Buch von Ruby Rewelde, warum sie uns hassen.
01:05:51: Da legt die Person sehr genau da, woher kommt diese Sexarbeitsfeindlichkeit?
01:05:55: Was ist Sexarbeitzfeindlichkeit?
01:05:57: Wie wirkt sich das aus?
01:05:58: Wie tief geht es auch und wie tief ist das strukturell in unserer Gesellschaft verankert?
01:06:02: Lässt diese Bücher.
01:06:04: Es gibt auch im englischsprachigen Raum unglaublich viele gute Bücher zu dem Thema, also auch Revolting Prostitutes ist ein englisprachiges Buch.
01:06:12: das ist auch fantastisch.
01:06:13: lest das bitte auch.
01:06:15: informiert euch.
01:06:16: macht es euch nicht einfach.
01:06:17: lasst euch nicht eine Meinung vor Gauken die vermeintlich toll ist.
01:06:21: langer Appell aber bitte macht
01:06:22: das ja voll gut.
01:06:24: als wenn wenn du sonst noch Irgendwas hast, weiß ich nicht.
01:06:28: irgendwelche Websites?
01:06:30: irgendwelchen Veranstaltungen oder sonst was dann schick uns das total gerne.
01:06:33: wir packen es alles in die show notes Genau.
01:06:36: und dann erst mal vielen, vielen Dank für deine Zeit.
01:06:40: Für deine Insights!
01:06:42: Für deine Meinung?
01:06:43: Für deine Offenheit?
01:06:45: Ich fand zwar ein sehr tolles Gespräch und ich hatte sehr viel Spaß mit dir also danke.
01:06:51: Danke dafür dass ich hier sein durfte und ja vielen dank die Einladung und habt auch noch eine gute zeit alle miteinander.
01:06:57: Wenn du Lust hast auf mehr abonnier uns teil die folge oder schreib uns auf insta
01:07:02: unter lustwandel.eu bis bald.
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